Präventionstag der 8. Klassen: Lernen, nachdenken, Fragen stellen
Im Rahmen unserer schulischen Suchtprävention fand für unsere fünf achten Klassen, in der Zeit vom 22.01. bis 29.01.2026, jeweils ein ganztägiger Präventionstag zum Thema substanzbezogene Süchte (Alkohol, Nikotin, Cannabis) statt. Das Ziel war es, die Jugendlichen nicht nur sachlich zu informieren, sondern sie auch zum Nachdenken über eigene Entscheidungen, Gruppendruck und Lebenswege anzuregen.
Lernen an Stationen – von Schülern für Schüler
Der Vormittag begann mit einem Stationenbetrieb, der von engagierten Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen vorbereitet und durchgeführt wurde. An insgesamt fünf Stationen setzten sich die Achtklässler auf interaktive Weise mit unterschiedlichen Aspekten von Sucht und Konsum auseinander, von Wirkungen und Risiken verschiedener Substanzen über mögliche Ursachen des Substanzmissbrauchs bis hin zu sozialen Folgen, aber auch Strategien, um in schwierigen Lebenssituationen negative Gefühle nicht einfach zu betäuben, sondern andere Wege der Bewältigung zu finden.
Die Zehntklässler übernahmen dabei die Rolle von „Expertinnen und Experten“ und begleiteten die Gruppen bei der Erarbeitung der Inhalte. Dieses Lernen auf Augenhöhe kam bei den Achtklässlern sehr gut an und sorgte für viele konzentrierte Gespräche, Nachfragen und Aha-Momente. In einer gemeinsamen Auswertungsrunde wurden die wichtigsten Erkenntnisse gesammelt und noch einmal zusammengeführt.
Ein bewegender Lebensbericht
Im zweiten Teil des Tages erwartete die Schülerinnen und Schüler ein besonderer Gast: Stefan, der offen aus seinem eigenen Leben berichtete. Bereits als Jugendlicher geriet er auf die schiefe Bahn, beging Straftaten wie Diebstahl und Körperverletzung und kam mit 15 Jahren erstmals in den Jugendarrest. Drogen spielten dabei eine immer größere Rolle. Vor allem Alkohol, Cannabis und später auch Kokain führten ihn zunehmend in eine Spirale aus Abhängigkeit und Kriminalität.
Eindrücklich schilderte Stefan, wie er mit Ende 30 an einem persönlichen Tiefpunkt ankam und schließlich den Entschluss fasste, sein Leben grundlegend zu verändern und dies auch schaffte. Heute lebt er clean und hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Jugendlichen über seine Erfahrungen zu sprechen, um sie vor ähnlichen Wegen zu bewahren und ihnen Mut zu machen, frühzeitig andere Entscheidungen zu treffen.
Besonders beeindruckend war für viele Schülerinnen und Schüler seine große Offenheit und Empathie. Stefan fand einen sehr direkten und wertschätzenden Zugang zu den Klassen und beantwortete ehrlich und in völliger Offenheit alle Fragen, die gestellt wurden. Dadurch entstand ein intensiver Austausch, der deutlich machte, dass hinter Statistiken und Warnhinweisen echte Lebensgeschichten stehen.
Raum für Nachdenken und Austausch
Im Anschluss an das Gespräch gab es in den Klassen Zeit, das Gehörte gemeinsam zu reflektieren: Was hat überrascht? Was hat nachdenklich gemacht? Welche Faktoren können dazu führen, dass Menschen in schwierige Situationen geraten und was hilft, rechtzeitig gegenzusteuern? In diesen Gesprächen wurde deutlich, dass Prävention nicht nur Wissen bedeutet, sondern auch das Stärken von Selbstreflexion und Selbstakzeptanz, von Entscheidungsfähigkeit sowie die Förderung des Mutes, sich Hilfe zu holen.
Für viele Achtklässler war dieser Tag nicht nur informativ, sondern auch bewegend und genau das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu bewussten und gesunden Entscheidungen.
Ein starkes Gemeinschaftsprojekt
Der Präventionstag zeigte, wie wirkungsvoll Suchtprävention sein kann, wenn Information, persönliche Begegnung und Austausch miteinander verbunden werden. Ein besonderer Dank gilt den Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen für ihr großes Engagement im Stationenbetrieb sowie Stefan für seine Bereitschaft, seine sehr persönliche Geschichte mit unseren Jugendlichen zu teilen sowie dem Förderverein des VLGs, der diese Veranstaltung finanziell ermöglicht hat.
Ansprechpartnerin ist Frau Engels.