Vincent
Lübeck
Gymnasium
Stade

Fachgruppe Latein

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Kerncurricula Latein

Sek. I (Aug. '17)
Sek. II (Aug. '11)

Schulcurricula Latein

Sek. I (Apr. '18)
Sek. I alt (Mai '13)

Leistungs­be­wer­tung

Sek I
Sek II

Die Fachgruppe

Martin ImmerFachobmann der Fachgruppe Latein ist Herr Meyer.


Warum sollte man Latein lernen?

Wenn Sie zusammen mit ihren Kindern vor der Frage stehen, ob Ihre Tochter oder Ihr Sohn am Beginn von Klasse 6 als zwei-te Fremdsprache Latein wählen soll, so wollen wir, die Fachgruppe Latein am Vincent-Lübeck-Gymnasium, Ihnen im Folgenden einige wichtige Gründe nennen, die diesbezüglich jeglichen Zweifel ausräumen sollten.


I. Latein als „Wertevermittler“

Latein ist die Sprache der antiken Kultur, die entscheidende Grundlagen für die europäische Kultur und die Gegenwart gelegt hat. Latein ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Bildungssprache und im Gegensatz zu allen anderen Unterrichtsfächern der Institution Gymnasium vorbehalten. Insofern werden die Schüler/innen im Unterricht mit antiker Sage, griechischer, römischer und europäischer Geschichte und Literatur vertraut gemacht, aber auch mit Fragen griechischer und römischer Philosophie. Eine Beschäftigung mit der Sprache Latein bedeutet hier, sich intensiv mit einer vergangenen, bedeutsamen Geschichtsepoche auseinanderzusetzen, die das Geschichtsbewusstein ihrer Kinder fördern und prägen wird. Damit lernen sie nicht nur andere Völker und sich selbst als Menschen besser kennen und verstehen, sondern sie erwerben notwendiges Orientierungswissen und Kernkompetenzen, um sich in ihrer Lebenswelt im Sinne der europäischen Wertegemeinschaft und Identität besser zurechtzufinden: griechisches Denken, römisches Rechtsbewusstsein, humanistisch und christlich geprägte Tradition.


II. Latein als umfassender Sprachtrainer

Latein ist die Grundsprache Europas. Sie erleichtert das Erlernen moderner Fremdsprachen, vor allem der romanischen Sprachen, doch auch der Wortschatz der englischen Schriftsprache entstammt zu mehr als 50% dem Lateinischen. Viele Lehnwörter und Fremdwörter der deutschen Muttersprache sind lateinischen Ursprungs. So macht sich gerade der Lateinunterricht zur Aufgabe, auf diese Wortverwandtschaften aufmerksam zu machen, (Sprach) Wissen zu vernetzen und das Langzeitgedächtnis zu fördern. Die lateinische Sprache ist in ihren grammatikalischen Erscheinungen vielfältiger und differenzierter als die meisten modernen Fremdsprachen, und so kommen auch die gemeinhin verwendeten grammatikalischen Bezeichnungen (z. B. Adjektiv, Subjekt, Dativ, Passiv, Konjunktion) aus dem Lateinischen. Daher lernen die Schüler/innen durch eine frühe Beschäftigung mit dieser Sprache in umfassender Weise grammatikalische Kategorien und Begriffe kennen, die sie für das Bewusstmachen moderner Fremdsprachen, aber vor allem der eigenen Muttersprache benötigen. Das Übersetzen vom Lateinischen ins Deutsche ist ein wesentlicher Bestandteil des Lateinunterrichts. Durch den ständigen Vergleich der beiden Sprachen werden die Schüler/innen dazu angehalten, Übersetzungsvarianten zu entwickeln und abzuwägen, also um die wohl geeigneteste Ausdrucksform zu „ringen“. Zweifellos schult das kreatives Formulierungsvermögen in der eigenen Muttersprache. Davon profitieren die Schülerinnen nicht nur innerhalb ihrer jetzigen Schul-, sondern auch zukünftigen Arbeitswelt.


III. Latein fördert logisches Denken

Die Beschäftigung mit Latein erzieht zu systematischem, geordnetem, ständig fragendem Vorgehen und problemorientiertem Denken; gefördert werden Abstraktionsfähigkeit und die Fähigkeit, logische Zusammenhänge zu erkennen. Bei Latein handelt es sich um eine komprimierte und interpretationsbedürftige Sprache, die im Lateinunterricht in die wortreichere und freiere Sprache „Deutsch“ überführt wird. Die drei Denkoperationen „Identifizieren“, „Analysieren“ und „Transformieren“ sind steter Bestandteil des Lateinunterrichts und tragen nicht nur zur Ausbildung des Intellekts bei, sondern sie erziehen zum genauen Hinsehen, zur Konzentration und Gewissenhaftigkeit. Anders könnte man auch sagen, dass Latein die Präszisionsfähigkeit in allen Bereichen schult, zu seriösem Auftreten animiert und persönliches Belastungsvermögen steigert. Oberflächlichkeiten und Beliebigkeiten wird hingegen entgegengewirkt. Prinzipiell wird durch den Lateinunterricht eine Haltung gefördert, die durch Festigung von Sekundärtugenden die Voraussetzungen für das Hochschulstudium schafft, welches naturgemäß ein nicht zu unterschätzendens Maß an struktureller Ordnung und Selbstdisziplin abverlangt.


IV. Latein als Voraussetzung zum Studium

Für zahlreiche Studiengänge werden Lateinkenntnisse vorausgesetzt, wenn nicht, so sind sie zumindest von großem Nutzen. Die Universitäten verlangen in sehr unterschiedlicher Weise den Nachweis von Lateinkenntnissen und damit verbundenen „Latina-Abschlüssen“. Fest steht, dass der nachträgliche Erwerb der „Latina-Abschlüsse“ mit großen Mühen und Belastungen verbunden ist. Anstatt sich dem ausgesuchten Studiengang zu widmen, gilt es oft, über einen Zeitraum mehrerer Semester Sprachkurse mit täglich vier Stunden Intensivunterricht zu besuchen, am Ende dessen man sich einer schriftlichen und mündlichen Prüfungskommission stellen muss. Hinzu kommt, dass die Lateinkurse oft zahlreich überfüllt sind. Entsprechend hoch ist die Misserfolgsquote, die nicht selten zu Studienabbrüchen führt, nur weil die Zugangs bzw. Studienvoraussetzungen nicht erfüllt wurden. Im Vergleich dazu scheint der Weg, die „Latina-Abschlüsse“ über den herkömmlichen Schulweg anzustreben, erheblich einfacher.


V. Latina-Abschlüsse an der Schule

In Niedersachsen lassen sich bei Beginn des Lateinunterrichts in Klasse 6 drei unterschiedliche „Latina“ erreichen: das „Kleine Latinum“ nach fünf Lernjahren (nach Klasse 10), das „Latinum“ nach sechs Lernjahren (nach Klasse 11)), das „Große Latinum“ nach sieben Lernjahren (nach Klasse 12). Voraussetzungen sind jeweils mindestens „ausreichende“ Leistungen am Ende des Lehrgangs.


VI. Wer sollte also Latein lernen?

Schwierigkeiten, die in den modernen Fremdsprachen in Form der Aussprache und Rechtschreibung entstehen könnten, entfallen im Fach Latein. Wie oben dargestellt, verfolgt der Lateinunterricht primär andere Ziele. Insofern ist die Unterrichtssprache durchgehend Deutsch. Persönlichkeiten, die ehrgeizig und bereit sind, einem Problem ruhig, konzentriert und mit Ausdauer nachzugehen, dürften eine bessere Eignung für Latein mitbringen als für Französisch oder Spanisch (z. B. Puzzler oder Rätsler). Das Fach Latein verstärkt grundsätzlich Tugenden, derer es ebenso als Voraussetzung bedarf. Vonnöten - wie in den modernen Fremdsprachen - ist sicherlich ein gutes Langzeitgedächntnis zum Erlernen von Vokabeln und zum Aufbau eines fundamentalen Formenbestands innerhalb der Spracherwerbsphase der Unterstufe. Wünschenswertes Ziel der Lateinlehrer/innen vom VLG ist es, den Schüler/innen in der gymnasialen Oberstufe den Weg zu lateinischen Originaltexten zu eben. Denn wir betrachten es als ein Privileg, Autoren wie Cicero, Ovid, Seneca etc., die das europäisch-kulturelle Erbe über 2000 Jahre maßgeblich beeinflusst haben und beeinflussen, im Orginal lesen, verstehen und in ihrer Bedeutung würdigen zu können. Dieses Erlebnis und diese Fähigkeit würden wir gerne mit ihren Kindern teilen!

gez. Michael Meyer (Fachobmann Latein)
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