Vincent
Lübeck
Gymnasium
Stade

VLG-Schulleiterin Dr. Jutta Neemann zieht es in die Welt

VLG-Schulleiterin Dr. Jutta Neemann zieht es in die Welt

STADE. Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Verabschiedungsfeierlichkeiten am Montag hat Dr. Jutta Neemann schon bekommen. 50 Schüler betraten vor zwei Wochen mit ihren Instrumenten die Aula und gaben nur für Leiterin des Vincent-Lübeck Gymnasiums ein Abschiedskonzert.
Wird die Freundlichkeit der Schüler und Lehrer am VLG vermissen: Dr. Jutta Neemann. Foto Stief
„Es gab jeden Tag schöne Momente“, blickt Jutta Neemann auf die 16 Jahre zurück, die sie am VLG Schulleiterin war. Lehrerin wollte sie schon als Kind werden, Schulleiterin eigentlich nie. Aber dann gab es hier eine Empfehlung, dort einen Schubs und da einen Vorschlag und prompt bekleidete sie den Posten der stellvertretenden Schulleiterin in Winsen/Luhe.Die Erinnerung täuschte jedoch, denn was sie in neuer Funktion vorfand, beschreibt sie kurz und knapp: einen maroden Schulhof, stinkende Pavillons und eine Außenstelle in Hahle, die an den Kräften zehrte. Dass sie sich über die Zustände öffentlich beschwerte, brachte ihr Ärger ein. Das empfand sie als ihre Aufgabe. Aber erst mal war der Neubau in Harsefeld dran.

Neemann: Abi nach neun Jahren besser

Im Gespräch mit dem TAGEBLATT bricht sie auch eine Lanze für die ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Die Rückkehr zum Abi nach neun Jahren hält sie für besser, weil bei den jungen Menschen doch auch Zeit für außerschulisches Leben und Entwickeln sein müsse. Dass eine Schullaufbahn auch mal einen Umweg macht, weiß sie aus eigener Erfahrung, denn nach ihrem Realschulabschluss in Jork hatte sie sich den Wechsel an die Buxtehuder Halepaghenschule auch nicht gleich zugetraut und die Berufsfachschule dazwischen geschaltet.
Im Moment steckt der Schulleiterin, ebenso wie den Lehrern, den Eltern und natürlich den Schülern die Abi-Phase noch in den Knochen. Hier gilt ihr Mitempfinden wieder den Schülern. Sechsstündige Klausuren und mündliche Prüfungen – das Abitur müsse etwas Besonderes sein und auch bleiben, findet sie, aber müssen die Bedingungen so hart sein?
„Die Schule ist gut aufgestellt“, sagt die scheidende Schulleiterin. Schon mal rein äußerlich: Die Pavillons verschwanden, die Außenstelle ist lange passé, der Anbau kam und jetzt lässt der Landkreis – als I-Tüpfelchen – die Fassade energetisch sanieren. Für gutes Lernen sorgen heute moderne Medien, es gibt Profilklassen, bilingualen Unterricht und eine gute Zusammenarbeit mit dem Athenaeum. „Das haben wir sehr viel stärker ausgeweitet.“ Das geht auch so weiter, Athe-Leiter Martin Niestroj war viele Jahre Vize am Vincent-Lübeck-Gymnasium, bevor er vor gut einem halben Jahr die Schule wechselte.

Sie wünscht ihrem Nachfolger gute Nerven

Wer ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin wird, wisse sie nicht. Und schiebt wieder einen kritischen Satz hinterher: Es wird Zeit, dass wir das wissen sollten. Auf jeden Fall wünscht sie ihm gute Ideen zur weiteren Qualitätsentwicklung der Schule und gute Nerven. Die brauche ein Schulleiter jeden Tag. Denn oft sei es eine schwierige Gratwanderung, Lehrern, Eltern und Schülern gerecht zu werden. Aber unterschiedliche Sichtweisen ließen sich nicht immer unter einen Hut bringen.
Auch wenn es nicht ihr Berufswunsch war, Schulleiterin zu werden, so blickt sie doch zufrieden auf die Jahre am VLG zurück. Dort hat sie gerne gearbeitet, auch wenn es täglich mehr als acht Stunden waren und auch in den Ferien viel zu tun war.
„Ich nehme jetzt eine Auszeit nur für mich“, sagt Dr. Jutta Neemann. Sie will was von der Welt sehen, in Konzerte gehen und ins Theater, wieder mehr Nähe zu guten Freunden aufnehmen. Und sich dann ehrenamtlich zu engagieren, da schwebt ihr die Förderung von Migranten vor.
Vermissen werde sie die gute Stimmung an ihrer Schule, die Freundlichkeit der Lehrer und der Schüler. Vom Parkplatz bis ins Büro ist es nicht weit, aber auf dem kurzen Weg werde sie schon dutzende Male gegrüßt. Und auch die Abschiedsmelodien werden wohl noch lange in ihren Ohren nachklingen.

Nachfolge am VLG noch unklar

LANDKREIS. Im Stader Vincent-Lübeck-Gymnasium und am Aue-Geest-Gymnasium in Harsefeld warten Schulleitung und Kollegium seit Monaten auf den jeweiligen Nachfolger in der Schulleitung. Zumindest für Harsefeld steht nun fest: Ute Appelkamp übernimmt den Dienstposten zum 1. August. In der Personalangelegenheit, das VLG betreffend, stehe die „formelle Abwicklung“ noch bevor, heißt es aus der Pressestelle des Kultusministeriums. Man sei optimistisch, das dies bald erfolgen könne. Quelle: Stader Tageblatt vom 23.06.2018