Vincent
Lübeck
Gymnasium
Stade

Kunstobjekte aus Schrauben

Kunstobjekte aus Schrauben

STADE. Jeder hat sie bereits in den Händen gehalten: Schrauben. Die metallenen Stifte und Bolzen sind nicht nur unwahrscheinlich praktisch, wenn es gilt, Bauteile miteinander zu verbinden. Sie dienen inzwischen sogar als Kunstobjekt.
Ein Flugzeug als Sinnbild für die Abhängigkeit des Menschen vom technischen Fortschritt – mit allen seinen Vor- und Nachteilen: Marten Ben Müller und Luca Fynn Baumgarten. Fotos Beneke
Ein Kran als Liebesbekundung an die vielen Sehenswürdigkeiten der Heimatstadt Stade: Chantal Kück.
Eine Landkarte als Statement für Toleranz und Menschlichkeit im täglichen Miteinander: Nils Hagner.
Ein Modellauto als Indikator für den Wandel in der Mobilität und die Folgen: Jan Henrik Lüchen.
Unter dem Motto „Finger weg vom Smartphone – Ran an die Schraube“ haben Elftklässler des Stader Vincent-Lübeck-Gymnasiums eine Ausstellung auf die Beine gestellt, in der Skulpturen und Installationen zu sehen sind, die eines gemeinsam haben: Kreuzschlitzschrauben als gestalterisches Element.
Zur Zeit der ägyptischen Pharaonen waren sie noch unbekannt, doch schon im dritten Jahrhundert vor Christi Geburt kamen schraubenartige Gewindestifte zum Einsatz. Die alten Griechen benutzten sie, wie die Handwerker im 21. Jahrhundert, zur Befestigung. In den letzten Jahren schwappte aus Amerika ein Trend nach Europa, der die kleinen Wunderwerke aus Eisen oder Metall ins Zentrum des kreativen Schaffens setzt: „Screw Art“ oder „Schraubkunst“.
Ein halbes Jahr lang haben sich Oberstufenschüler des Stader Vincent-Lübeck-Gymnasiums unter der Leitung ihrer Lehrerin Maren Posselt der Herausforderung gestellt, eigene „Schraubkunst“ zu kreieren. Die Werke der Jugendlichen sind bis Ende des Monats in den Geschäftsräumen der Firma Eisen Trabandt zu bestaunen. Das mittelständische Unternehmen hatte den Mädchen und Jungen das Rohmaterial – palettenweise Kreuzschlitzschrauben – als Spende zur Verfügung gestellt.
Die Technik im Griff
Zu den auffälligsten Zeugnissen ihres Schaffens zählt das schwarze Propellerflugzeug, das von einer roten Hand zu Boden gedrückt wird. Es hat Augen und Mund, die Flügel sind mit Schrauben verziert. „Der Mensch hat die Technik im Griff“, ist die Botschaft der Skulptur, die mit einem Drahtgerüst und Pappmache fixiert wurde. „Aber die Technik wird immer perfekter. Wir zeigen den Kampf zwischen der menschlichen Existenz und dem technischen Fortschritt“, erklärt Elftklässler Marten Ben Müller (16), der das Objekt zusammen mit seinem Mitschüler Luca Fynn Baumgarten (17) konstruiert hat.
Den Kontrast zwischen Vergangenheit und Zukunft greift auch Gymnasiast Jan Henrik Lüchen auf. Er hat – inspiriert von den Nachrichten zum Abgas-Skandal bei Dieselfahrzeugen des Volkswagen-Konzerns – ein Auto gebaut. In eine Holzplatte drehte der 17-Jährige die Schrauben und sprühte das Konstrukt anschließend mit goldener Farbe an. „Eine relativ simple Idee“, findet der Oberstufenschüler. „Als ich losgelegt habe, wusste ich nicht, dass das dabei herauskommt“, berichtet er.
Bei Chantal Kück war das Ziel früh klar. Ein touristisches Objekt sollte es werden. Die Schülerin hat den hölzernen Kran am Hafen in der Altstadt nachgebaut. Mindestens zehn Kilogramm wiegt der Koloss aus rund 2500 Schrauben, der detailreich daherkommt. Mit Kaninenchendraht und Styropor schaffte die 17-Jährige das Grundgerüst, in das sie die Schrauben hineindrücken konnte. Eine Hommage an die vielen Stader Sehenswürdigkeiten. Vor dem Hintergrund der schwedischen Besetzung der Schwingestadt und der heute freundschaftlichen Verbindungen nach Karlshamn hat sie ihrer Skulptur den schwedischen Titel „Virkekran av Skruva“ (zu Deutsch: Holzkran aus Schrauben) gegeben.
Ein politisches Statement setzt Nils Hagner mit seiner Installation. Aus einer Holzplatte hat der 17-Jährige eine Deutschlandkarte geschnitten. 1200 angemalte Schrauben stellen darauf die Flaggen europäischer, arabischer und afrikanischer Länder dar, aus denen die Flüchtlinge und Einwanderer stammen. Mit einem Faden sind sie verbunden. Die Schrauben sollen gleichsam für die einzelnen Menschen stehen, die in Deutschland eine neue Heimat suchen. Ein Sinnbild für Weltoffenheit und Toleranz, das die multikulturelle Wirklichkeit in der Bundesrepublik abbildet. Das Thema bewegt die Gymnasiasten besonders, seit gegenüber in der Turnhalle der Berufsschulen eine Notunterkunft für Asylbewerber eingerichtet wurde.
Ausstellungen
Die mit Fördermitteln aus der Alles-Gute-Stiftung der Kreissparkasse Stade unterstützte Schülerausstellung hat während der Geschäftszeiten bis Sonnabend, 30. Januar, in den Räumen der Firma Eisen Trabandt, Hansestraße 23, in Stade geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Eine weitere Werkschau zum Thema Schraubkunst ist bis Sonntag, 31. Januar, täglich von 11 bis 17 Uhr im Kunstpunkt Schleusenhaus, Altländer Straße 2, in Stade zu sehen. Der Eintritt ist frei. Quelle: Stader Tageblatt vom 23.01.2016