Vincent
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Stade

Spitzenleute auf beiden Seiten

Spitzenleute auf beiden SeitenL

STADE/BUXTEHUDE. Zwei Konzerte, ein Vergleich: Bigband und Sinfonie-Orchester – Wo junge Musiker glänzen.
So geht Vincents Bigband: Frank Münter (rechts) blickt beim Auftritt am Freitagabend im Stadeum auf Sängerin Miriam Borowski.
Bigband-Sound aus Ami-Land und Hochkultur-Klassik aus Europa in einem Artikel? Schuberts „Unvollendete“ und Grooviges von den Blues Brothers in einem Atemzug? Das TAGEBLATT schickte einen Reporter los, der zwei Veranstaltungen besuchte, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben können. Und auf den zweiten?
Ein fast ausverkauftes Stadeum, über 700 zahlende und geladene Zuschauer wollen die Vincents Bigband am Freitagabend hören. Jazziges, Soul und Blues hat Frank Münter zusammengestellt – zum 20. Geburtstag seiner Band. Die ist übrigens dezent festlich in schwarz gekleidet, ein paar Tupfer weiß sind dabei.
Wie sich die Bilder gleichen: Auch das Jugend-Sinfonie-Orchester Buxtehude, das an die 1000 Gäste bei den zwei Sommerkonzert-Auftritten in der Halepaghen-Schule begrüßt, ist festlich in schwarz gekleidet, mitunter blitzt ein weißes Hemd, wie bei Orchesterleiter Andreas Désor.
Ein Blick in die Gesichter der jungen Musizierenden spricht Bände. Bei der Vincents Bigband sind es 41, beim Sinfonie-Orchester 60. Leicht angespannt in positivem Sinne nehmen sie ihr Instrument, das natürlich vorher gestimmt wurde und blicken auf ihren Leiter. Voll konzentriert erwarten sie das Startsignal. So sieht es jedenfalls in beiden Veranstaltungshäusern zu Konzertbeginn aus. Doch während die Band in Stade den Rocky-Song „Gonna fly now“ von Bill Conti schmettert, stimmt das Orchester in Buxtehude mit Leopold Mozarts Kindersinfonie in C-Dur eine aus sieben Sätzen bestehende Komposition an. Die sorgt allerdings für viel Amüsement, denn es kommen typische Kinderinstrumente zum Einsatz: der Kuckuck, die Ratsche, eine Kindertrompete, eine Wasserflöte. Spieler müssen ebenso grienen wie Mitspieler und Zuschauer.
Auch Frank Münter sorgt gleich zu Beginn im Stadeum für einen Lacher. „Meine Fresse, ist das ein Sound“, sagt er nach dem ersten Song in den aufkommenden Beifall hinein. Der gilt auch Paul Kühn, der als erster Solist des Abends zeigt, was eine Posaune ist. Es kommen an dem Abend im Stadeum aber noch viele andere Solisten an die Reihe: Trompete, Saxophon, E-Gitarre und nicht zu vergessen die Sängerinnen, die oft im Scheinwerferlicht stehen.
Das ist beim Sinfonieorchester anders geregelt. Das ausführliche und sehr informative Programmheft weist Leif Willerts als Solisten in Edvard Griegs Klavierkonzert in a-moll opus 16 aus. Der 21-jährige Buxtehuder sammelte schon jede Menge Konzerterfahrung, spielte in Frankreich und Istanbul.
Apropos Ausland: Die Bigband ebenso wie das Sinfonieorchester sind nicht nur in heimischen Gefilden anzutreffen. Von Stade aus geht es auch nach Denver zur Wheat Ridge Highschool als Partnerschule, in Stades Partnerstadt Karlshamn oder nach Truro in Cornwall.
Für das Buxtehuder Orchester steht eine Reise nach Blagnac an, am 26. Juni wird in Buxtehudes Partnerstadt in Frankreich musiziert. Ansonsten gab es schon Konzertreisen unter anderem nach Florida, Italien, Kroatien und Griechenland. Den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus haben also auch beide Gruppen.
Doch vorherrschend ist der Blick auf das eigene Vorankommen. Jeden Freitag ist Probe – bei der Bigband wie auch beim Sinfonieorchester. Wer mitspielt, gibt begehrte Freizeit dafür hin. Probt, übt, müht sich ab, um dabei sein zu können und das besondere Erlebnis der in Musik eingebetteten Gemeinschaft zu erleben.
Für viele ein langer Weg, der in der Band wie im Orchester schon früh beschritten wird. Auch das eint Frank Münter und Andreas Désor: Immer wieder muss der Nachwuchs eingebaut werden. „Wir haben Spitzenleute und den kleinen Trompeter aus der 7. Klasse, der so gerade eben das hohe D spielen kann“, sagt Frank Münter. Andreas Désor: „Wir haben wegen unseres Nachwuchses die Kindersinfonie ins Programm genommen.“
Am Ende beider Abende: Viel Applaus, begeisterte Zuhörer, Zugabewünsche. Und ganz nebenbei kriegt der Reporter doch noch einen ganz eklatanten Unterschied heraus. Während die Sinfoniker ganz demokratisch abstimmen, wie das Repertoire aussieht, sagt in Stade Frank Münter, wo es langgeht. Meine Fresse, wer hätte das gedacht? Quelle: Stader Tageblatt vom 08.06.2015