Vincent
Lübeck
Gymnasium
Stade

Mit Unterschriften für die Schulvielfalt

Mit Unterschriften für die Schulvielfalt

Lehrer, Schüler- und Elternvertreter fürchten die Konsequenzen aus dem neuen Schulgesetz.

STADE. „Für starke Stader Gymnasien“ – ein Satz, manchmal auch Ausruf, den die Besucher des Wochenmarktes an vielen Ecken der Stader Innenstadt hören konnten. Die Arbeitsgruppen des Athenaeums und des Vincent-Lübeck-Gymnasiums haben am Sonnabendvormittag auf dem Wochenmarkt Unterschriften für ihre Petition gesammelt – das erste Mal in einer solch öffentlichen Aktion.
Lehrer und Personalrat Cay-Uwe Ditschke, Schülersprecher am Athenaeum Thore Möller, Elternvertreterin Yvonne Biber und Kathi Kelm, Schülervertretung.
 
Die Lehrer, Schüler- und Elternvertreter befürchten vor allem eines: Das neue Schulgesetz, das zum 1. August in Kraft treten soll, könne zur Folge haben, dass die Integrierten Gesamtschulen (IGS) als ersetzende Schulform kleinere Gymnasien im ländlichen Raum gefährden. Auch Haupt-, und Realschulen könnten durch die IGS „ersetzt“ werden, geben die Arbeitsgruppen zu bedenken. Genau genommen waren es am Vormittag gleich zwei Petitionen – einerseits die Online Petition des Philologenverbandes, andererseits die eigene Petition des VLG. Inhaltlich sind beide grundsätzlich deckungsgleich.
„Das Wichtigste ist, dass Eltern, Schüler und Lehrer gemeinsam agieren“, betonte Cay-Uwe Ditschke, Lehrer und Personalrat am Athenaeum. Rund 40 Personen engagierten sich bei der Aktion. „Natürlich sind wir nicht gegen die IGS, aber für die Schulvielfalt und unsere Stärken“, so Ditschke weiter. Vielen der anwesenden Schülern ging es nach wie vor auch um ihre Klassenfahrten. Der Klassenfahrt-Boykott (das TAGEBLATT berichtete) war Reaktion vieler Gymnasien auf die Erhöhung der Pflichtstunden und Reduzierung der Altersermäßigung. Auch bei der Aktion am Sonnabend war dies Thema. Thore Möller (17), Schülersprecher am Athenaeum dazu: „Wir sind der Meinung dass durch die Mehrarbeit das Lehrniveau abnimmt und die Motivation der Lehrer sinkt. Das wollen wir nicht, weil wir sie als Pädagogen für wertvoll erachten.“
Auch die Eltern sehen die „Klassenfahrten als festen Bestandteil, der nicht freiwillig sondern verpflichtend sein sollte“, sind sich die Mütter Yvonne Biber und Nicole Witthöft einig. Weiterhin zur IGS-Thematik: „Es ist wichtig, dass man als Elternteil die Schulform in Zukunft weiterhin selber wählen kann.“ Auch Schülerin Kathi Kelm (16) sieht das so. „Es ist wichtig, dass unsere Schulform erhalten bleibt“, so die Schülervertreterin vom Athenaeum. Die Aktion kam sichtlich gut an; an den Ständen sammelten sich viele Unterstützer – unter anderem auch Großeltern, die sich um die schulische Laufbahn ihrer Enkel sorgen. Aus familiärem Interesse also in einigen Fällen, gar nicht immer politisch. 1100 Unterschriften haben die Lehrer, Schüler und Eltern am Vormittag sammeln können. „Wir haben unser Ziel absolut erreicht“, resümiert Ditschke.
www.bildungsvielfalt-nds.de
Quelle: Stader Tageblatt vom 20.04.2015