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Schulgemeinschaft befürchtet Abschaffung der Gymnasien

Schulgemeinschaft befürchtet Abschaffung der Gymnasien

STADE. An den Gymnasien wächst die Angst, dass die Schulform vor schwerwiegenden Veränderungen steht. Mit einer im Internet gestarteten Petition wollen Eltern, Schüler und Lehrer des Vincent-Lübeck-Gymnasiums in Stade deutlich machen, dass sie die vorliegende Fassung für die Überarbeitung des niedersächsischen Schulgesetzes ablehnen. „Unserer Auffassung nach geht die Schulform Gymnasium erheblich geschwächt aus der vorliegenden Novellierung hervor“, heißt es in einem offenen Brief der VLG-Schulgemeinschaft.
An den Gymnasien wächst die Angst, dass die Schulform vor schwerwiegenden Veränderungen steht. Mit einer im Internet gestarteten Petition wollen Eltern, Schüler und Lehrer des Vincent-Lübeck-Gymnasiums in Stade deutlich machen, dass sie die vorliegende Fassung für die Überarbeitung des niedersächsischen Schulgesetzes ablehnen. „Unserer Auffassung nach geht die Schulform Gymnasium erheblich geschwächt aus der vorliegenden Novellierung hervor“, heißt es in einem offenen Brief der VLG-Schulgemeinschaft.
An erster Stelle steht bei den Unterzeichnern die Sorge, dass „der Schulzweig Gymnasium über eine Hintertür abgeschafft werden soll“ und „wieder einmal ein Schnellschuss der Landesregierung in Sachen Bildung geplant ist“. Im Gesetzesentwurf heißt es, dass die Schulträger von Gesamtschulen (IGS) nicht mehr verpflichtet seien, Schulen des gegliederten Schulwesens zu führen, sofern der Besuch eines Gymnasiums unter zumutbaren Bedingungen gewährleistet bleibt. Die Gesamtschule sei bei insgesamt sinkenden Schülerzahlen eine adäquate Alternative zu den Schulformen.
Über eine überarbeitete Version der Novelle soll am heutigen Dienstag im Landeskabinett abgestimmt werden. Danach befasst sich der Landtag mit dem Thema. Läuft alles nach Plan, würde das neue Schulgesetz am 3. Juni beschlossen und am 1. August in Kraft gesetzt werden. Die Schule beginnt nach den Sommerferien wieder am 3. September. Der Zeitplan zur Umsetzung ist demnach ehrgeizig und wird von der CDU in Person ihres schulpolitischen Sprechers Kai Seefried kritisiert. Solche Gesetze müssten spätestens im März fertig sein, um eine reibungslose Umsetzung zu gewährleisten, sagte Seefried.
SPD-Frau Petra Tiemann aus Mulsum verteidigt das neue Schulgesetz gegen die Kritik und stellt via TAGEBLATT eine breit gefächerte Informationskampagne in Aussicht. „Wir wollen die Menschen informieren“, sagte die stellvertretende Fraktionvorsitzende der Regierungsfraktion. Am 24. April komme mit Stefan Politze der schulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion in den Landkreis, und am 24. Juni folgt eine Veranstaltung mit Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Genauere Informationen über Ort und Zeit der beiden Infoveranstaltungen sollen folgen.
Petra Tiemann bestreitet, dass die Landesregierung durch die Schulgesetzgebung die Gymnasien schwächt. Regelungen wie die freie Schulwahl seien als Schutz von Eltern und Schülern gedacht. Ähnlich argumentiert die Grünen-Landtagsabgeordnete Elke Twesten aus Scheeßel: Das politische Ziel sei, dass jeder Schüler eine Gesamtschule besuchen kann. Nur so hätten die Eltern wirklich die Wahlmöglichkeit zwischen einer Schule des längeren gemeinsamen Lernens und einer des gegliederten Schulsystems. „Die Befürchtung, dass durch die Einführung der IGS die Gymnasien im ländlichen Raum ‚abgeschafft‘ werden sollen, steht im krassen Widerspruch zu der aktuellen Veröffentlichung des Kultusministeriums, wonach die Gymnasien die beliebteste Schulform sind und bleiben“, so Twesten. Derzeit habe Niedersachsen weit mehr Gymnasien (257) als Gesamtschulen (91).
Ein weiterer Punkt, der im offenen Brief des VLG kritisiert wird, beschäftigt sich mit den Schullaufbahnempfehlungen in der Grundschule. Diese sollen durch Berichtszeugnisse ersetzt werden. Damit gehe eine sinnvolle Orientierungshilfe verloren, meinen die Kritiker. Auch das Sitzenbleiben und die Möglichkeit im Gymnasium dauerhaft überforderte Schüler an eine für sie geeignetere Schulform zu überweisen, solle stark erschwert werden. „Dies senkt die Leistungsfähigkeit und das Niveau an Gymnasien“, heißt es im offenen Brief.
Dazu Twesten: „Im Schulgesetz wird sich nichts ändern. Wir haben vereinbart, dass Grundschulen Ziffernzensuren durch differenzierte Lernentwicklungsberichte ersetzen können, so wie es auch schon vor dem Regierungsantritt der schwarz-gelben Koalition im Jahr 2003 möglich war.“ Entscheiden würden weiter die einzelnen Schulen unter Beteiligung der Eltern. „Die Schullaufbahnempfehlung war auch bisher nicht verbindlich und hat sich als nur bedingt aussagefähig herausgestellt.“
570 Unterstützer haben bei der Online-Petition des VLG in den ersten Tagen unterzeichnet. Es bleiben 70 Tage, um die angepeilten 26 000 Stimmen zu bekommen. Die Petition ist zu finden unter
http://kurzlink.de/petition-schulgesetz Quelle: Stader Tageblatt vom 10.02.2015