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Chinesische Lehrer zu Gast in Stade

Chinesische Lehrer zu Gast in Stade

STADE. Die frischgebackenen chinesischen Lehrer Han Shu und Zhou Qian sind für ein Jahr Lehrer in Stade. Meng Xiaoxu ist für drei Wochen zu Gast. Das Vincent-Lübeck-Gymnasium und das Athenaeum haben sich um dieses Austauschprogramm beworben. Mitgebracht haben die chinesischen Lehrer viele Geschichten des chinesischen Schulsystems, die deutsche Schüler zum Staunen bringen.
Han Shu, Meng Xiaoxu und Zhou Qian (von links) haben Postkarten ihrer Schüler aus China mitgebracht. Foto Tiemann
Han Shu ist bereits das zweite Mal am Vincent-Lübeck-Gymnasium. Er leitet eine Arbeitsgemeinschaft über chinesische Kultur und stellt fest: „Der Unterricht hier ist viel lockerer.“ Der 23-Jährige ist gerade fertig mit seinem Studium, er kennt den Schulalltag vor allem aus Zeiten, in denen er noch die Schulbank drückte. Ein Schultag in China sehe vollkommen anders aus, erzählt er.
Die Schüler sind zehn Stunden in der Schule. Anschließend machen sie Hausaufgaben. Freizeit würde in China kaum ein Schüler kennen. „Viele wohnen sogar in der Schule“, sagt Han Shu. Kein Wunder, dass einige in der Mittagspause ein Nickerchen machen. Die Hausaufgaben sind gleichzeitig Prüfungen, die benotet werden. Staunenden Gesichtern sitzt Han Shu am VLG gegenüber, wenn er in seiner AG vom Leben eines chinesischen Schülers erzählt. „Dann merken sie, wie viel Freizeit sie haben“, sagt er.
Trotz der Unruhe in den Klassen – im Gegensatz zu einer chinesischen Schulklasse – lieben die Lehrer Stade vor allem wegen der Ruhe. Eine Beobachtung, die alle drei machten: Hier sei das Leben viel langsamer, als in ihrer Heimat. Dabei kommen sie alle aus verschiedenen Provinzen. „Mir gefällt dieses langsamere Leben sehr gut und dass es keine Hochhäuser gibt“, sagt Han Shu.
Meng Xiaoxu arbeitet in China an einer Privatschule. Als sie von ihrem Alltag berichtet, kommt sogar die Schulleiterin des Vincent-Lübeck-Gymnasiums, Dr. Jutta Neemann, ins Staunen: Ein Jahrgang besteht an ihrer Schule aus 22 Klassen. In einer Klasse werden 60 Schüler unterrichtet. Das Kollegium besteht aus 500 Lehrern. Trotzdem: „In Deutschland sind die Schüler viel aktiver“, sagt Zhou Qian, die in diesem Jahr am Athenaeum ebenfalls eine AG über chinesische Kultur anbietet. Die chinesischen Lehrer seien strenger, erklärt die 24-Jährige. Zhou Qian wolle versuchen, die deutsche lockere Atmosphäre in ihre Klassen in China zu transportieren. Ihr gefalle es, wenn die Schüler freier sind.
Doch nicht nur die chinesischen Gäste nehmen etwas von ihrer Reise mit nach Hause: „Für uns ist der Austausch eine große Bereicherung“, sagt Jutta Neemann. Die unterschiedlichen Kulturen wahrzunehmen sei für die deutschen Schüler spannend. Im Gepäck hat Meng Xiaoxu Postkarten ihrer Schüler, die Kontakte zu Deutschen knüpfen wollen. Auffällig ist die saubere Handschrift mit der sich die Chinesen den Deutschen vorstellen.
Nicht nur die Schüler werden von den chinesischen Gästen profitieren: Am Vincent-Lübeck-Gymnasium wird Han Shu auch den Lehrern Unterricht geben. In einer AG möchte er ihnen die chinesische Kultur näher bringen. „Es haben sich schon sehr viele dafür in die Liste eingetragen“, sagt er stolzQuelle: Stader Tageblatt vom 04.12.2014