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Sadistische Demütigungen im Internat

Sadistische Demütigungen im Internat

STADE. Daniel Beneke hat die jungen Schauspieler des VLG in Stade bei den Vorbereitungen für die Aufführung begleitet.
Rohe Gewalt dominiert das Stück „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“: Reinting (Lasse Horwege, links) und Beineberg (Finn Reduhn, rechts) foltern Basini (Patrick Schuck).
Breiter könnte das Repertoire eines Laien-Ensembles kaum angelegt sein. Beschäftigte sich die Theater-AG des Stader Vincent-Lübeck-Gymnasiums in ihren letzten Stücken mit den Wirren des Dreißigjährigen Krieges oder den Machtspielen einstiger Nazi-Eliten im Alten Land der Nachkriegszeit, widmen sich die Nachwuchstalente in ihrem jüngsten Aufführungsprojekt dem Heranwachsen von Jugendlichen in einem autoritären Elite-Internat. Premiere ist am Mittwoch, 17. September. Daniel Beneke hat die jungen Schauspieler bei den Vorbereitungen für die Aufführung begleitet.
In der kommenden Woche werden die Schüler das Stück „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ nach einer Romanvorlage des österreichischen Schriftstellers Robert Musil auf die Bühne bringen. Es spielt in einem Kadetteninternat des späten 19. Jahrhunderts, in dem die österreichisch-ungarische Monarchie ihren militärischen Nachwuchs ausbilden lässt. Vier angehende Offiziere werden einige Monate lang in ihren Beziehungen zueinander besonders beobachtet, sodass dem Publikum ein atmosphärisch dichtes Psychogramm des sozialen Gefüges in der Gruppe erscheint.
Im Zentrum des Geschehens steht Törleß (gespielt von Konstantin Beste), der in der pubertären Phase seiner Selbstfindung einerseits kühl und arrogant, andererseits aber auch nachdenklich und unsicher wirkt. Er verstrickt sich immer tiefer in das Beziehungsgeflecht, das er bereits früh zu dominieren versucht. Bei seinen Mitschülern Basini (Patrick Schuck), Reiting (Lasse Horwege) und Beineberg (Finn Reduhn) kommt er mit seiner Überheblichkeit allerdings weniger gut an. Dennoch bringt Törleß die Gruppe mit Bosheiten und Intrigen schnell unter seine Kontrolle. Gemeinsam mit Beineberg und Reiting misshandelt er schließlich Basini, den das Trio zuvor des Diebstahls überführt hat, auf sadistische Weise.
Zu den zeitintensiven Proben der einzelnen Szenen trafen sich die vier Jugendlichen gemeinsam mit ihrem AG-Leiter, dem Lehrer Jörn-Martin Schöning, sogar in den Sommerferien. Seit jeher widmet sich das Laien-Ensemble gesellschaftlich relevanten Themen. „Die Stücke, die wir spielen, haben auch immer etwas Kritisches“, berichtet Konstantin Beste. Er schlüpft in die Rolle des Törleß, die dem Stück seinen Namen gibt. Der 18-Jährige absolvierte im Frühjahr seine Abiturprüfungen am Vincent-Lübeck-Gymnasium und begann im August eine Ausbildung. Für „die Arbeit mit den ehemaligen Mitschülern und Freunden“ kehrt er nun noch einmal an seine alte Wirkungsstätte zurück. Sein Fazit der vergangenen Monate: „Die Proben liefen von Anfang an sehr produktiv.“
Wenn sich in der kommenden Woche der Vorhang öffnet, steht Konstantin Beste bereits das vierte Mal mit der Theater-AG auf der Bühne. „Für mich ist die Schauspielerei eine tolle Erfahrung, die mir Dinge zeigt, denen ich im Alltag nie begegnen würde“, erzählt er. „Das lässt mich auch nach den Proben zu Hause selten unberührt. Ich kann schon sagen, dass ich eine andere Sicht auf die Gesellschaft bekomme, umso mehr ich über die Stücke nachdenke, in denen ich mitgespielt habe. Das zu beobachten und auch an sich selbst festzustellen, wie man mit der eigenen Rolle umgeht, ist super spannend und macht unglaublich viel Spaß.“ Seine Figur Törleß „handelt nicht nach moralischen oder gesellschaftlichen Vorstellungen“; vielmehr gilt für ihn das Credo „was geschieht, das geschieht“. Doch er ist stets mehr als nur ein Rädelsführer; er beobachtet das Verhalten seiner Kameraden genau. „Diese Beobachterrolle zu spielen fällt mir relativ leicht“, sagt Konstantin Beste. Törleß’ Charakter durchlebt während der Handlung eine deutlich sichtbare Wandlung. Mitunter lässt er später auch persönliche Schwächen erkennen, gibt sich unsicher. Diese Veränderungen für das Publikum erlebbar zu machen, ist eine große Herausforderung für den jungen Schauspieler.

Informationen

Die Theater-AG des Vincent-Lübeck-Gymnasiums unter der Leitung von Jörn-Martin Schöning zeigt ihr neues Stück „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ nach einer Vorlage von Robert Musil am Mittwoch, Donnerstag und Freitag, 17., 18. und 19. September. Die Aufführungen beginnen jeweils um 20 Uhr im Altbau der Schule, Glückstädter Straße 4, in Stade. Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse; Schüler zahlen fünf Euro und Erwachsene sieben Euro.Quelle: Stader Tageblatt vom 13.09.2014