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Am Ende bekommt das Böse den Zuschlag

Am Ende bekommt der Böse den Zuschlag

STADE. Schultheater des Vincent-Lübeck-Gymnasiums inszeniert „Das Feld von Mrs Butler“– Jugendliches Laienensemble rüttelt mit wortgewaltigem Schauspiel auf.
Theater auf der Schulbühne im Vincent-Lübeck-Gymnasium: Die verarmte Witwe Maggie Butler (Lea Holst) wird von Sergeant Tom Leahy (Patrick Schuck) und Pfarrer John Murphy (Henriette Schier) befragt. Foto Beneke
Auf eine Reise in ein irisches Dorf der frühen 1960er Jahre entführte das Theaterensemble des Vincent-Lübeck-Gymnasiums sein Publikum am Mittwoch- und Donnerstagabend. Die jugendlichen Mimen brachten im Forum der Schule ihr neues Stück „Das Feld von Mrs Butler“ auf die Schulbühne.
Lehrer und Spielleiter Jörn-Martin Schöning hatte die Vorlage des Autors Sean McClure aufwendig bearbeitet und gekürzt. So entstand eine temporeiche Inszenierung mit wortgewaltigen Dialogen und handfesten Auseinandersetzungen, die tief blicken ließ in die moralischen Abgründe des menschlichen Daseins.
Die Geschichte: Ein Stück Weideland ist alles, was der verarmten Witwe geblieben ist. Nun möchte Maggie Butler (gespielt von Lea Holst) das Feld verkaufen, über eine Auktion den höchstmöglichen Preis erzielen. Schnell scheint ein Interessent in Sicht: William Dee (Patrick Schuck) möchte auf dem Grundstück eine Fabrik errichten. Doch die Dorfbewohner wollen den reichen Fremden nicht. Allen voran der Landwirt und mächtigste Mann im Ort, Bull McCabe (Lasse Horwege), hat es sich zum Ziel gemacht, die Pläne des Industriellen zu durchkreuzen. Er besticht den Gastwirt und Auktionator Mick Flanagan (Marek Meier), bedroht dessen Frau Maimie (Laura von Rudno Restrepo) und Sohn Leamy (Justin Hitzwebel). Dabei weicht ihm sein Filius Ron (Fabian Pallasch) nicht einen Moment von der Seite.
Als der Unternehmer William Dee nach einer Besichtigung des zur Versteigerung stehenden Feldes tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht schnell auf Bull und Ron McCabe. Doch Sergeant Tom Leahy (Patrick Schuck) stößt bei seinen Ermittlungen im Dorf auf eine eiserne Mauer des Schweigens. Selbst die flammenden Moralappelle von Pfarrer John Murphy (Henriette Schier) verhallen – wirkungslos.
Für heitere Momente sorgt der trinkfreudige Bird O’Donnell, der aus Versehen beinahe alle Verbrechen der Familie McCabe ausgeplaudert hätte, aber immer wieder mit einem Glas Whiskey zum Schweigen gebracht wird. Aller Empörung zum Trotz gewinnt am Ende der kaltschnäuzige wie brutale Landwirt, der das Gesetz in die eigene Hand nimmt und das titelgebende „Feld von Mrs Butler“ zu einem Spottpreis erhält.
Die Regie lag in den Händen von Lehrer Jörn-Martin Schöning. Der umtriebige Leiter der Fachgruppe für Darstellendes Spiel ist seit mehr als 25 Jahren der Mann fürs Theater am Vincent-Lübeck-Gymnasium. Er ließ das Forum der Schule, das als Aufführungsort diente, mit Laken verhüllen. Ganz in Grün getaucht präsentierte sich das schlichte Bühnenbild: Tresen und Hocker symbolisierten einen irischen Pub. Die ebenfalls einheitlich in grünen Shirts daherkommenden jungen Mimen nutzten – angelehnt an das epische Theater des großen deutschen Dramatikers Bertolt Brecht – für ihre Inszenierung den gesamten Raum, schlichen durch die Besucherreihen, brüllten über die Köpfe des Publikums hinweg. Schnellen Schrittes bewegten sich die Schüler durch die Handlung, nach einer Stunde fiel der Vorhang.
Auf klar gesprochene wortgewaltige Dialoge, gespickt mit schwarzem Humor und blankem Zynismus, folgten brutale körperliche Auseinandersetzungen. Zur Auflockerung gab’s zwischen den Akten irische Tänze und Musik. Die pessimistische Weltsicht, die sich durch das gesamte Stück voller Aggressionen und Konflikte zog, gipfelte in der zeitlosen Erkenntnis: „Gesetz und Gesetz – das ist nicht das Gleiche.“
Einen Moment verharrten die Zuschauer regungslos auf ihren Stühlen, ehe sie dem spielfreudigen Ensemble den verdienten Beifall schenkten. Quelle: Stader Tageblatt vom 12.06.2015