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Statt Streiks keine Klassenfahrten

Statt Streiks keine Klassenfahrten

LANDKREIS. Jugendliche protestieren heute via Internet: „Rückgängigmachung der Klassenfahrtenstreichung für Schüler an Gymnasien in Niedersachsen ab 2014“ heißt eine Petition, bei der Schüler des Gymnasiums Wildeshausen im Netz zur Unterschrift aufrufen. 4170 Unterstützer haben bis Dienstag unterzeichnet. Auch an den Gymnasien im Kreis Stade wächst der Unmut über das von Lehrern beschlossene Aussetzen der Klassenfahrten als Streik-Ersatz gegen unbezahlte Mehrarbeit und Abschaffung von Altersermäßigungen. Morgen kommt es in Stade zur öffentlichen Aussprache mit der Politik.
Typische Atmosphäre einer Klassenfahrt: Gemeinsam verreisen und sich eine Woche lang 24 Stunden am Tag sehen. Foto dpa
„Es gibt immer zwei Seiten“, sagt die Schulelternratsvorsitzende Alice Gross vom Gymnasium Süd in Buxtehude. Viele Eltern hätten Verständnis für die Aktion der Lehrer. Allerdings sei zuerst nur von einem Jahr ohne Klassenfahrten die Rede gewesen. Jetzt werde über das fristlose Aussetzen des pädagogisch wertvollen Angebots diskutiert. Da sehen die Eltern nicht nur am Buxtehuder Gymnasium Süd Gesprächsbedarf. In den nächsten Wochen wird das Thema in Buxtehude, Harsefeld und Stade in den Schulelternratssitzungen auf der Tagesordnung stehen.
Die Gymnasiallehrer hoffen weiter auf ein Zeichen aus Hannover. Am morgigen Donnerstag, ab 19 Uhr, werden sich die Landtagsabgeordneten der Region im Stader Vincent-Lübeck-Gymnasium den Fragen im Rahmen einer Podiumsdiskussion stellen. Genug Zündstoff für einen regen Gedankenaustausch gibt es. Neben der Kritik der Lehrer an dem von der rot-grünen Regierung verabschiedeten Haushaltsentwurf meldet sich die Opposition zu Wort: Die zusätzliche Unterrichtsverpflichtung der älteren Lehrer zerstöre das Vertrauen der Betroffenen, aber auch das von Schülern und Eltern, sagte der CDU-Landesvorsitzende David McAllister jüngst in einem dpa-Interview, „denn dies führt an den Gymnasien zur Streichung Hunderter Lehrerstellen und damit zu einem Qualitätsverlust in der Bildung unserer Kinder“.
Die Angst vor Stellenstreichungen lässt derzeit auch Eltern noch gespannt in die Zukunft blicken. Zum Beispiel am Vincent-Lübeck-Gymnasium gibt es Rechnungen, wonach künftig vier Lehrerstellen eingespart werden könnten. Das würde nicht funktionieren, hält der Schulelternrat fest. Allerdings bleibt das Gremium auch bei der Feststellung, dass die Lehrer bessere Wege hätten finden können, als den Protest auf dem Rücken der Schüler auszutragen. Denkbar, heißt es, wäre zuerst eine Demonstration der Lehrer in ihrer Freizeit vor dem Kultusministerium gewesen.
Auf dem Papier erhöht sich die Zahl der Unterrichtsstunden für einen Gymnasiallehrer in Niedersachsen von wöchentlich 23,5 Stunden auf 24,5 Stunden, so viel wie ein Lehrer an einer Integrierten Gesamtschule bereits ableistet. Es gibt Berechnungen, nach denen die Zahl mit dem Faktor 1,8 für Vor- und Nachbereitung des Unterrichts multipliziert werden muss. Das wäre eine Erhöhung von 42,3 Wochenstunden auf 44,1. Bei den Jahresarbeitsstunden müssen die Ferienzeiten noch berücksichtigt werden.
„Wir sind nicht begeistert, dass die Klassenfahrten ausfallen sollen“, sagt der Schulelternratsvorsitzende des Athenaeums, Rüdiger Maikranz. Die Eltern an dem Stader Gymnasium wollen ihre Kritik aber auch so verstanden wissen, dass bei der Bildungspolitik nachgebessert werden muss. So sieht es auch ein Großteil der Eltern am Harsefelder Aue-Geest-Gymnasium. Hier gibt es allerdings Schüler, die aus einer Verkettung unglücklicher Umstände im gesamten Schulleben keine Klassenfahrt haben könnten, wie die Elternratsvorsitzende Kordula Schäfer erzählt. Vielleicht auch deshalb gab es bei den Schülern schon Überlegungen, die Klassenreise privat als verlängertes Wochenende durchzuführen, ähnlich wie die Gymnasiasten aus Wildeshausen: „Wir fordern die Wiedereinführung der Fahrten und, wenn dies nicht möglich ist, wenigstens die Möglichkeit, diese privat im für die Klassenfahrten geplanten Zeitraum umzusetzen“, heißt es in der Internet-Petition.

Podiumsdiskussion

Am Donnerstag, 20. Februar, ab 19 Uhr findet im Stader Vincent-Lübeck-Gymnasium (VLG) eine Podiumsdiskussion zur Erhöhung der Wochenstunden für Gymnasiallehrer in Niedersachsen statt. Dabei sind die Landtagsabgeordneten Petra Tiemann (SPD), Elke Twesten (Grüne) und Kai Seefried (CDU) sowie Wolfgang Ehlers als Bezirkspersonalrat, Marc Schimmler als Elternvertreter des VLG und der Zwölftklässler Heiner Stinner vom Athenaeum. Organisiert wird die Veranstaltung durch die Personalvertretungen der Stader Gymnasien. Die Diskussion, an der sich auch das Publikum beteiligen kann, ist öffentlich. Quelle: Stader Tageblatt vom 19.02.2014