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Gymnasiallehrer klagen über Bildungspolitik

Gymnasiallehrer klagen über Bildungspolitik

BUXTEHUDE. Nach dem Klassenfahrt-Boykott diskutieren Buxtehuder Lehrer weitere Schritte wie den Verzicht auf Theateraufführungen oder Wettbewerbe.
Klagen über Bildungspolitik : Karsten von Eitzen, Sibylle Hilgers-Wolf und Franz-Valentin Michalski (von links) vom Gymnasium Süd. Vasel
Dass Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) weiterhin kein Verständnis für die Gymnasiallehrer aufbringt, stößt auch bei den Personalvertretern des Gymnasiums Süd in Buxtehude auf Kritik. Wie bereits berichtet, hatten die Lehrerinnen und Lehrer – als Reaktion auf die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung von 23,5 auf 24,5 Wochenstunden und das Aussetzen der älteren Lehrern bereits zugesagten Altersermäßigung um eine Stunde (55+) beziehungsweise zwei Stunden (60+) – auch an den Gymnasien im Landkreis Stade beschlossen, im Schuljahr 2014/2015 auf die freiwilligen Klassenfahrten zu verzichten. Dabei hätten viele Kollegen bereits Arbeitsstunden für das Zeitkonto geleistet. Wo bleibe hier der Vertrauensschutz, fragen sich die Buxtehuder Pädagogen.
Dass Weil jetzt überlege, das Turbo-Abitur (G8) wieder abzuschaffen, reicht den Personalvertretern wie dem Deutschlehrer Franz-Valentin Michalski nicht aus. „Wir diskutieren in den Fachkonferenzen bereits weitere Maßnahmen“, kündigt Michalski an, „denkbar wäre Verzicht auf Theateraufführungen oder Wettbewerbe sowie AGs oder Weihnachtsmusik.“ Letztlich müssten die Einschnitte zurückgenommen werden – auch damit die jungen Referendare in Niedersachsen übernommen werden können. Der Rotstift gefährde 1900 Neueinstellungen und fördere die Veralterung der Kollegien.
Letztlich habe die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung das Fass lediglich zum Überlaufen gebracht. „Wir wollen keine Opferlämmer mehr sein. Wir arbeiten hier alle erheblich mehr als 40 Stunden in der Woche, unsere Wochenarbeitszeit tendiert durch Vor- und Nachbereitung und Korrigieren eher in Richtung 50 Stunden“, sagt Michalski. Für ihn und seine Kollegen Karsten von Eitzen und Sibylle Hilgers-Wolf gehe es nicht ausschließlich um die eigene, in den vergangenen Jahren unter anderem durch Turbo-Abi, veränderte Klassenstärken und Lehrerzuweisungen, mehr schriftliche und mündliche Prüfungen sowie Einführung einer fünften zusätzlichen Abi-Prüfung gestiegene Arbeitsbelastung.
„Wir lehnen auch die absolute Ökonomisierung unserer Schulen ab“, sagt der Deutschlehrer. Die Kinder hätten kaum noch Freizeit, klagt Sportlehrer Karsten von Eitzen. Die Schüler würden durch die Hausaufgaben gefesselt. Unter anderem habe das G8System laut Hilgers-Wolf das „Bulimie-Lernen“ befördert. Michalski: „Wir sollen nur noch als schneller Brüter für die Wirtschaft dienen.“ Dabei sollten die Schulen humanistische Bildung und Sozialkompetenz fördern. Sie hoffen, dass das Land zum Abi nach 13 Jahren zurückkehrt. Die Lehrer rechnen damit, dass nach den Sommerferien erste Kollegen an die Gesamtschulen abgeordnet werden. Das Land betreibe „seit Jahren“ Bildungspolitik auf dem Rücken der Lehrer und Schüler, das führe zu mehr Engpässen und Belastung aller. Quelle: Stader Tageblatt vom 24.01.2014