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Stade

Konflikte im Nachkriegsdeutschland

Konflikte im Nachkriegsdeutschland

STADE. Es ist gute Tradition am Stader Vincent-Lübeck-Gymnasium: Seit mehr als 20 Jahren treffen sich die Mitglieder der Theater-AG immer freitags nach dem Unterricht und proben unter der Leitung von Jörn-Martin Schöning ihre Stücke. Zurzeit bereiten die jungen Schauspieler ihr neuestes Projekt „Das Alte Land“ vor, das sie Ende des Monats aufführen wollen. Jugendreporter Daniel Beneke berichtet.
Freund und Feind sind schwer zu unterscheiden bei den Landwirten und Flüchtlingen im Alten Land der Nachkriegszeit: Die Theater-AG des Vincent-Lübeck-Gymnasiums spielt „Das Alte Land“ von Klaus Pohl.
Es ist ein anspruchsvolles Werk, dem sich das gute Dutzend Jungschauspieler annehmen. In wenigen Tagen werden sie das aus der Feder von Klaus Pohl stammende Stück „Das Alte Land“ auf die Bühne bringen.
Das Schauspiel in fünf Akten wurde 1984 uraufgeführt. Es spielt in den Nachkriegsjahren in einem Dorf im Alten Land, in dem sich einheimische Bauern über die Flüchtlingsströme aus dem Osten beklagen. In Zeiten von Armut und Hungersnot kämpfen die Landwirte um ihre Höfe und um die Vormacht in ihrem Heimatort. Alte Nazi-Schergen versuchen mit zwielichtigen Methoden, sich auch im neuen, demokratischen Deutschland an der Macht zu halten. Die Theater-AG zeigt ein schonungsloses Bild der damaligen Zustände.
Seit rund zehn Monaten bereiten die Jugendlichen die anstehenden Aufführungen vor, üben ihre Texte ein, proben die Abläufe und kümmern sich um Requisiten und Kostüme. Doch zuvor wurden die Rollen vergeben: „Die Rollenauswahl haben wir im Plenum abgesprochen. Jeder konnte seine Wünsche äußern. So haben wir das reibungslos und fair geklärt“, erzählt Marco Albers. Der 17-Jährige spielt zum zweiten Mal bei einem Stück der Theater-AG mit. Diesmal verkörpert er Hans Leusen, einen alteingesessenen Altländer Bauern, „der die Flüchtlinge verachtet“.
Leusen sieht sich dem Widerstand der Flüchtlinge ausgesetzt, die eine Bodenreform, also die neue Verteilung der Höfe und Ländereien, fordern. Mit miesen Intrigen, so erzählt Marco, knöpfen sich die alten Altländer Eliten einen Landwirt vor, der den Flüchtlingen wohlgesonnen ist. „Eine Stunde Null, einen Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg, gab es zunächst nicht“, fasst der Zwölftklässler die kritische Aussage des Stücks zusammen.
Um ihre Rollen authentisch darstellen zu können, haben die jungen Schauspieler eigenhändig Requisiten und Kostüme zusammengetragen. Marco hat sich zum Beispiel ein grobkariertes Hemd, eine abgewetzte Arbeitsjacke und eine Cordhose mit Hosenträgern besorgt. „Als Bauer im Nachkriegsdeutschland ist modisches Auftreten ein absolutes No-Go. Stattdessen muss sie praktikabel und altbacken aussehen“, begründet er die Kostümauswahl. Um die Überlegenheit seiner Figur gegenüber den Flüchtlingen auszudrücken, raucht er stets Pfeife.
Bis vor wenigen Tagen mussten die Schauspieler bei ihren Proben noch in ihre Manuskripte sehen, inzwischen sitzen die Texte. In den Generalproben werden in den nächsten Tagen noch einmal die Abläufe verfeinert, damit dem Publikum eine spannungsreiche Vorführung geboten wird.

Für Julian Wilhelmi (17) aus dem zwölften Jahrgang ist die Theater-AG „einfach ein toller Haufen“. Ihm macht es „viel Spaß, das Theaterstück zu entwickeln“. Bei der Probenarbeit lernte er, sich selbst besser zu präsentieren und souverän vor einer größeren Menschengruppe zu agieren.
Marco Albers (17) hat viel fürs Leben gelernt. Wichtig ist ihm die Möglichkeit der persönlichen Entfaltung: „Kreativität sollte nicht unterschätzt werden. Die AG fördert selbstbewusstes Auftreten und Teamarbeit – also Qualitäten, die für das ganze Leben förderlich sind.“
Zwölftklässlerin Marie Sander (17) hat in der Theater-AG neue Freunde gefunden. Sie lobt den einzigartigen Zusammenhalt der Darsteller. Die Arbeit in der AG hat sie selbstbewusster gemacht. Sie lernte, sich zuzutrauen, vor hunderten Menschen auf der Bühne aufzutreten.
Darstellerin Lea Holst (16) aus dem elften Jahrgang macht es Spaß, „die Persönlichkeit einer fiktiven Figur anzunehmen und damit auch ihre Gefühle und Werte zu vermitteln“. Mit Freude brachte sie sich in die Weiterentwicklung der Szenen und die Erarbeitung des Bühnenbildes ein.
Zwölftklässler Andre Pöhls (19) steht „unglaublich gerne auf der Bühne“. In der Theater-AG habe er ein neues persönliches Talent entwickelt. Ihm macht es Spaß, Charaktere zu verkörpern, die völlig anders sind, als er selbst. Die unmittelbaren Reaktionen des Publikums begeistern ihn.

Aufführungstermine

Am Montag, 27. Januar, und Dienstag, 28. Januar, führt die Theater-AG des Vincent-Lübeck-Gymnasiums den Fünfakter „Das Alte Land“ von Klaus Pohl im Forum des Vincent-Lübeck-Gymnasiums in Stade auf. Beginn der Vorstellungen ist jeweils um 19.30 Uhr. Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse; Schüler zahlen 5 Euro, Erwachsene 7 Euro.Quelle: Stader Tageblatt vom 11.01.2014