Vincent
Lübeck
Gymnasium
Stade

Seine Leidenschaft ist die Geschichte

Seine Leidenschaft ist die Geschichte

17-jähriger Gymnasiast aus Stade gewinnt zum wiederholten Mal beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Von Daniel Beneke
STADE. Seit Jahren gehört die Leidenschaft des Zwölftklässlers Mirco Fuchs der Geschichte. Der 17-jährige, der im kommenden Frühjahr am Stader Vincent-Lübeck-Gymnasium seine Abiturprüfungen ablegen wird, ist seit Jahren in der Geschichts-AG seiner Schule aktiv und unternahm zahlreiche Exkursionen an historisch bedeutsame Orte. Wiederholt nahm er am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teil – zunächst im Team, zuletzt mit einer völlig selbstständig angefertigten Arbeit. Für die erhielt er nun den mit 1000 Euro dotierten zweiten Bundespreis.
Stolz präsentiert Mirco Fuchs die Ur­kun­de. Beim dies­jähri­gen Ge­schichts­wett­be­werb des Bundes­präsi­den­ten er­rang er einen mit 1000 € do­tier­ten zwei­ten Bundes­sieg.
Alles begann in der sechsten Klasse im Geschichtsunterricht bei Lehrer Dr. Johannes Heinßen. Der habe ihm „immer viel Spaß gemacht“. Das bemerkte auch der promovierte Historiker. Er lud Mirco und weitere Mitschüler in seine frisch gegründete Geschichts-AG ein. „Wir widmeten uns geschichtlichen Themenbereichen, die noch nicht im Unterricht behandelt wurden“, erklärt Mirco. Während er sich im Unterricht noch mit mittelalterlichen Burgen beschäftigte, stand in der AG längst der Nationalsozialismus auf dem Plan. Schnell begannen Mirco und seine Mitstreiter in der AG, eine erste Arbeit für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zu verfassen. Im Team oder alleine können Schüler wissenschaftliche Arbeiten zu einem von der den Wettbewerb ausrichtenden Körber-Stiftung vorgegebenen Thema einsenden.
Mirco Fuchs, Marco Al­bers und Henning Mer­gard sind seit der sechs­ten Klasse ge­schichts­inter­essiert und haben schon mehr­fach - im Team und alleine - am Ge­schichts­wett­be­werb des Bundes­präsi­den­ten teil­ge­nommen.
In ihrer ersten Arbeit beschäftigten sich die jungen Gymnasiasten 2009 mit dem Widerstand des Stader Sozialdemokraten Ludwig Jürgens gegen den Nationalsozialismus. Für die Arbeit über den späteren Bürgermeister und Ehrenbürger der Hansestadt werteten sie zahllose Akten aus dem Stadtarchiv aus. „Die Arbeit mit den alten Quellen haben wir in der AG von der Pieke auf gelernt“, berichtet Mirco. Mit ihrer Arbeit erreichten die Schüler einen Sieg auf Niedersachsenebene und erhielten 250 Euro Preisgeld. Schnell stand fest: Mirco und sein Team möchten auch am nächsten Geschichtswettbewerb teilnehmen, diesmal zum Thema „Skandale“. „Und wir wollten uns steigern“, so Mirco. Was gelang: Ihre Arbeit über die alkoholabhängige Stader Pastorenfrau Anna Berger wurde 2011 mit einem Landessieg und 1250 Euro Preisgeld dotiert.
Erstmals war Mirco in diesem Jahr mit einer eigenen Arbeit vertreten, das Motto lautete „Vertraute Fremde – Nachbarn in der Geschichte“. Auch seine Mitschüler Marco Albers und Henning Mergard, mit denen er von Anfang an in der AG zusammenarbeitete, waren mit Einzelarbeiten vertreten. Zwar half sich das engagierte Trio gegenseitig, doch fokussierten sie sich auf ihre eigenen Arbeiten.
Mirco ist stolz auf sein originelles Thema: Um jugendlichen Straßenunfug im Stade des 19. Jahrhundert dreht sich seine Arbeit. „Unter den 1300 eingesandten Arbeiten gibt es bestimmt keine Zweite zu diesem Thema“, freut er sich. „Stade war damals voll von Kindern, die nirgendwo Platz zum Spielen hatten. Die Situation brodelte, wie in einem Hexenkessel. Die Kinder haben sogar Beerdigungen terrorisiert“, erklärt Mirco. Wieder wertete er viele Akten aus dem Stadtarchiv aus, las hunderte Beschwerden von Bürgern und polizeiliche Anordnungen. Die Arbeit hat sich gelohnt: Mirco erhielt den zweiten Bundespreis und 1000 Euro Siegprämie. Dankbar zeigt sich der 17-Jährige vor allem gegenüber seinem Lehrer. Ihm habe er viel zu verdanken, sagt er mit Blick auf die langjährige Zusammenarbeit: „Herr Heinßen ist echt ein super Typ und ein toller Lehrer. Ich habe viel von ihm gelernt. Er hat mein Interesse für die Geschichte geweckt und immer wieder vertieft.“
Auch Heinßen seinerseits findet nur lobende Worte für seinen Schüler, den er als „Glücksfall“ bezeichnet. Die „langjährige Arbeit“ mit ihm „war sowohl pädagogisch wie wissenschaftlich außerordentlich bereichernd und tröstete über so manches Frustrationserlebnis im Unterrichtsalltag hinweg.“ Doch nicht nur die Geschichte bestimmt das Leben des Gymnasiasten. Er wirkt als Bassist und Gitarrist in zwei Bands mit und engagiert sich als Jugendleiter bei der Evangelischen Kirche. Dreimal schon half er als Betreuer bei der beliebten Konfirmandenfreizeit „Stader Flotte“ mit und begleitete die jungen Christen auf ihrer Schiffsfahrt durchs Ijsselmeer. Und nach der Schule? Die Geschichte wird ihn zwar nicht mehr loslassen, vermutet Mirco. Doch beruflich sehe er sich eher im technischen Bereich. Quelle: Mittwochsjournal vom 27.11.2013