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Gymnasium
Stade

Schüler fühlen sich instrumentalisiert

Schüler fühlen sich instrumentalisiert

LANDKREIS. Von Karsten Wisser und Daniel Beneke
Der Streit um den Boykott der Klassenfahrten an den Gymnasien eskaliert. Inzwischen haben vier von fünf gymnasialen Kollegien im Landkreis Stade beschlossen, aus Protest gegen die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen durch die Landesregierung im nächsten Schuljahr keine Klassen- und Kursfahrten mehr anzubieten.
Nach den beiden Stader Gymnasien und der Halepaghen-Schule in Buxtehude haben sich jetzt auch die Lehrer des Aue-Geest-Gymnasiums in Harsefeld zum Mitmachen entschlossen. Wie die Lehrer am Vincent-Lübeck-Gymnasium (VLG) in Stade haben die Lehrer die Klassenfahrten für unbestimmte Zeit ausgesetzt. Halepaghen- und Athenaeums-Lehrer haben dies erst einmal auf das nächste Schuljahr befristet.
Es fehlt nur noch die Entscheidung der Lehrer des Buxtehuder Gymnasiums Süd. Dort ist die Personalversammlung für Mittwoch nächster Woche geplant. Grund der Aktion der Lehrer ist die Ankündigung der Landesregierung, die Unterrichts-Pflichtstunden für Lehrer um eine Stunde auf 24,5 Stunden zu erhöhen.
Die Schülervertretung des VLG wendet sich mit einem offenen Brief gegen die Lehreraktion und erklärt die Verhandlungen, eine gemeinsame Linie in dieser Frage mit den Lehrervertretern zu finden, für gescheitert. Der Klassenfahrt-Boykott ist für sie eine „Instrumentalisierung der Schülerschaft“.
Die Schüler kritisieren, bei der Entscheidungsfindung nicht eingebunden worden zu sein, und verweisen auf den Paragraphen 80 des niedersächsischen Schulgesetzes, der genau dies verlange. „Diese Art der Entscheidung ohne Einbeziehung der Schülerschaft werden wir nicht akzeptieren“, erklärt VLG-Schülersprecher Marco Albers.
Zwar werde die Schülervertretung selbst keinen Streik organisieren, da sie „auf einer sachlich-diplomatischen Ebene“ weiterhin gesprächsbereit bleiben möchte. Jedoch zeigt sie Verständnis für die Pläne einiger Schüler, die planen, am nächsten Mittwoch zum Schulbeginn den Haupteingang der Schule zu blockieren. „Wir wissen es zu schätzen, dass die Schüler mit so viel Energie ihre Positionen vertreten wollen“, so Albers.
Nach TAGEBLATT-Informationen wurden Schüler, die sich öffentlich zum Klassenfahrt-Boykott der Lehrer geäußert haben, von Lehrern dafür kritisiert. „Die Lehrer nutzen hier offenbar ihre Autorität aus, um Stimmungsmache zu betreiben“, kritisiert dies die VLG-Schülervertretung.
Die Schülervertretung des Athenaeums geht einen anderen Weg. „Als Schülervertretung stellen wir uns geschlossen hinter die Entscheidung der Lehrkräfte und hoffen, dass auch die Landesregierung bald ein Einsehen hat“, sagt David Peters, Schülersprecher des Athenaeums. Leider hätten es wohl viele Schüler nicht erkannt, dass die Schuld an den Streichungen der Klassenfahrten nicht bei den Lehrern, sondern beim niedersächsischem Kultusministerium liege. Quelle: Stader Tageblatt vom 30.11.2013