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Gymnasium
Stade

Gute Bildung ist alternativlos

Gute Bildung ist alternativlos

150-Jahr-Feier des Vincent-Lübeck-Gymnasiums - Überraschendes vom Gastredner aus der Wirtschaft

STADE. Wer das 150-jährige Bestehen einer Schule feiert, beschäftigt sich traditionsgemäß mit der Vergangenheit. Den Organisatoren der offiziellen Feier des Stader Vincent-Lübeck-Gymnasiums ist es aber gelungen, bei allen Rückblicken den rund 500 geladenen Gästen auch überraschende Antworten auf Zukunftsfragen zu servieren. Daran hatte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Dr. Thomas Straubhaar, maßgeblichen Anteil.
Das Schulorchester der Stader Gymnasien unter der Leitung von Ernstulrich Heider und die Bigband des Vincent-Lübeck-Gymnasiums unter der Leitung von Frank Münter sorgten am Donnerstag im Forum gemeinsam für den musikalischen Rahmen beim Festakt.
Köpfchen haben und kreativ sein - fordert Dr. Thomas Straubhaar.
Die Eingangsfrage an den Ökonomen mit Schweizer Wurzeln erschien wie die perfekte Vorlage für einen Fachvortrag in Leistungsmaximierung. Unter dem Titel „Lohnt sich ein Studium? – Erwartungen der Wirtschaft an das Gymnasium“ trat Straubhaar ans Rednerpult. „Es ist wohl meine helvetische Art, etwas bedächtiger an die Sache ranzugehen“, sagte der Professor, der ab dem nächsten Jahr verstärkt in den USA forschen und das Amt des HWWI-Direktors abgeben wird. Manch erwachsener Gast und Lehrer zuckte dann allerdings zusammen, als Straubhaar an die jungen Menschen gewandt fortfuhr: „Gucken Sie nicht auf die Erwartungen der Wirtschaft. Machen Sie etwas, woran Sie Spaß haben und glauben Sie Ihren Eltern nicht, wenn die sagen, dass Musik brotlos ist.“ Die knappe Rechnung des Wirtschaftsfachmanns: Wer nicht davon überzeugt ist, was er tut, verfolgt sein Ziel nicht mit ganzem Herzen. Wer aber eine Sache liebt, der kann Ideen entwickeln, die zu wertvollen Innovationen führen. „Sie müssen immer den Mut haben, Fragen zu stellen“, sagte Straubhaar. Innovationskraft sei für eine Gesellschaft das Wichtigste und Wertvollste. Am Ende müsse es so sein, dass von einer guten Idee auch die, die nicht studiert hätten, profitieren könnten.
Die VLG-Theater-AG sorgte im Festprogramm mit Zwischenrufen für Nachdenkliches, wie der Idee vom Weltall, das zufällig aus Erbsen entsteht.
Kein Einbahnstraßenstudium mit nur einer Berufschance sollten die jungen Gymnasiasten wählen, sagte Straubhaar weiter. Vielleicht sogar gar kein Studium, wenn ihnen Handwerksberufe mehr lägen. Dass es sich wirtschaftlich lohne, länger zu lernen – in Form höherer Gehälter und sicherer Arbeitsplatzaussichten – sei allerdings wissenschaftlich erwiesen. Man rechne bei Bildung mit einer Rendite von sieben bis acht Prozent. Das klinge nicht viel, sei aber zum Beispiel im Vergleich zu einem Sparbuch „alternativlos“.
Das deckte sich mit den Ansichten des Athenaeum-Schulleiters Wolfgang Horn, der wie Stades Bürgermeisterin Silvia Nieber für ein Grußwort als Gast ans Rednerpult trat. Beide Stader Gymnasien lieferten jedes Jahr hochqualifizierte Abiturienten für die Wirtschaft, erklärte Horn selbstbewusst. Damit diese in hochwertige Berufe aufsteigen könnten, „dafür bilden Gymnasien aus“, so der Oberstudiendirektor, der auch mit Blick in Richtung des anwesenden Landrats Michael Roesberg forderte, diese Schulform als unverzichtbar einzuschätzen und zukünftig weiter zu stärken.
Schulleiterin Dr. Jutta Neemann blickt optimistisch in die Zukunft.
Schon zuvor hatte der Präsident der Landesschulbehörde, Ulrich Dempwolf, sich in einem Nebensatz an den Stader Landrat gewandt, es sei doch ein Ding, dass das Vincent-Lübeck-Gymnasium erst vor kurzem einen eigenen Außensportplatz bekommen habe. Darauf Roesberg: „Lieber Herr Dempwolf, wenn Sie vor zehn Jahren hier gewesen wären, dann, das garantiere ich Ihnen, hätten wir nicht über die Sportanlagen gesprochen.“ Wegen fehlender Mittel hatten Lehrer und Schüler Jahrzehnte in provisorischen Unterrichts-Pavillons verbracht, bevor vor zwei Jahren ein Anbau fertiggestellt werden konnte.
Die Schulleiterin des Vincent-Lübeck-Gymnasiums, Dr. Jutta Neemann, hatte das Schlusswort. Optimistisch blickte sie in die nähere und die weiter entfernt liegende Zukunft. Sie sprach mit dem Wissen aus Erfahrung, dass sich Schule fortwährend verändert und signalisierte, wie wichtig es sein kann, Einschätzungen von Experten jenseits der Schulwelt anzuhören: „Professor Straubhaars Worte werden uns noch lange in den Ohren klingen“, so die promovierte Biologin.Quelle: Stader Tageblatt vom 27.09.2013