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Geniale Strategie entwickelt

Geniale Strategie entwickelt

STADE. Seit vielen Jahren sind die Schüler des Stader Vincent-Lübeck-Gymnasiums (VLG) beim Wirtschaftsspiel „business schoolgame“ erfolgreich. Was den wirtschaftsaffinen Zehntklässlern allerdings in diesem Sommer gelungen ist, verblüfft selbst die Initiatoren des Spiels. Mit sagenhaften „Highscores“, die die ihrer Konkurrenten mitunter um das 50-fache übertreffen, gewannen die Gymnasiasten das Spiel in der Einzel- und Teamwertung. TAGEBLATT-Jugendreporter Daniel Beneke berichtet.
Gewinner beim „business schoolgame“: Die erfolgreichen Teilnehmer der Klasse 10.5 des Stader Vincent-Lübeck-Gymnasiums. Vorne: Jannis Dobberkam, Florian Hartung, Torben Berkholz, Joshua Barth; hinten: Tim Mohrmann, Fabian Pallasch, Lars Breuer, Tobias von Borstel, Laura von Bargen, Marek Meier, Robin Kahrs (jeweils von links). Es fehlt Mathias Carmesin. Daniel Beneke
Mehr als ein Dutzend Spieler der Klasse 10.5 des VLG haben in zwei Teams auf Initiative ihres Politiklehrers Horst Delekat an der Deutschlandmeisterschaft des Wirtschaftsspiels „business schoolgame“ teilgenommen. Ihnen gelang es, nicht nur die Plätze eins und zwei in der Teamwertung für sich zu gewinnen, auch in der Einzelwertung belegen die Stader Gymnasiasten geschlossen die Plätze eins bis zehn (Sieger ist Lars Breuer). Somit setzten sie sich erfolgreich gegen Hunderte andere Spieler aus dem gesamten Bundesgebiet durch.
Das Wirtschaftsspiel hat das Ziel, junge Menschen schon in der Schule an Wirtschaftsprozesse und wirtschaftliches Denken heranzuführen. Schüler mimen Unternehmer und lernen in Spiel und Wettbewerb nach dem Prinzip „learning by doing“, ihr theoretisches Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge in die Praxis umzusetzen.
Das „business schoolgame“ ist ähnlich wie „Monopoly“ aufgebaut. Schüler gründen Unternehmen und bereiten Börsengänge vor. Während des Spiels müssen sie Fragen aus verschiedenen Wirtschaftsfeldern wie Marketing, Unternehmensführung und Recht beantworten. Zunächst als Brettspiel gestartet, wird das Spiel inzwischen online durchgeführt.
Politiklehrer Delekat, seit 1983 Lehrer am VLG, setzt das Spiel seit vielen Jahren in seinem Unterricht ein. Immer wieder gelingt es dem engagierten Pädagogen, Mannschaften für die Meisterschaften auf Landes- und Bundesebene aufzubauen und Schüler zu motivieren, sich auch außerhalb des Unterrichts mit wirtschaftspolitischen Fragestellungen zu beschäftigen. „Die Schüler erleben Wirtschaft einmal ganz anders“, erklärt er. Das Spiel fördere die Lernfähigkeit der Schüler, ihr Verständnis von Wirtschaft und ihr wirtschaftstheoretisches Wissen.
Der Lehrer will die Schüler dazu bringen, sich spielerisch mit wirtschaftspolitischen Fragestellungen zu beschäftigen: „Das sind Dinge, die jeden angehen.“ Sein Plan scheint aufzugehen. Die beeindruckende Bilanz: 2011 wurden seine Schüler Vize-Meister in Norddeutschland, erreichten den fünften Platz bei der Bundesmeisterschaft. 2012 erreichte ein VLG-Team den dritten Platz bei den norddeutschen Meisterschaften, 2013 wurden seine Schüler Niedersachsenmeister, norddeutsche Vize-Meister und gewannen das Bundesfinale.
Die Leidenschaft und der beachtliche Erfolg, den seine Schüler in diesem Jahr zustande brachten, nötigen dem Pädagogen größten Respekt ab: „Ich finde es bemerkenswert, dass Schüler der 10. Klasse sich an nur einem Nachmittag so gut in die Situation eingefunden haben, dass sie den Gegner, also den Computer, über den Tisch ziehen können.“
Der Erfolg der Schüler wird schon während der Spielphase von Argwohn und Neid der Konkurrenz begleitet. Sie wollen nicht glauben, dass die „Highscores“ der Stader Gymnasiasten auf legalem Weg zustande gekommen sind, wittern Manipulation. Bei Facebook pöbeln sie gegen ihre Stader Mitspieler, werfen ihnen unfaires Verhalten vor. Der Spielveranstalter schreibt daraufhin eine Mail an Mathias Carmesin, einen der besonders erfolgreichen VLG-Schüler, und bittet ihn, seine Strategie offenzulegen. Mathias antwortet prompt: „Stellvertretend für die Stader Teams versichere ich, dass keiner dieser Mitspieler betrogen hat. Vielmehr sind wir stolz auf unsere Leistungen, die wir durch reichlich investierte Zeit, kombiniert mit einer selbst entwickelten Strategie, erreicht haben.“
Die Schüler, die über ihre „geniale Strategie“ sagen, sie sei eine „Mischung aus dem effizienten Einsatz von Zeit und Taktik“, sind sehr glücklich über ihren Erfolg. Mitspieler Torben Berkholz sagt, er habe mit Hilfe des Spiels seine Allgemeinbildung verbessert und vor allem sein Wissen im Bereich Wirtschaft gestärkt. Das Spiel habe es den Schülern ermöglicht, unternehmerisches Handeln aus einer anderen Perspektive kennenzulernen und somit besser zu verstehen.
Sein Spielkollege Fabian Pallasch erwägt eine weitere Teilnahme am „business schoolgame“ im nächsten Jahr.Quelle: Stader Tageblatt vom 06.07.2013