Vincent
Lübeck
Gymnasium
Stade

Ironische Reise hinter die Kulissen

Ironische Reise hinter die Kulissen

Einleitung
Philipp Brammer. Foto Beneke
STADE. Im Rahmen des 150-jährigen Jubiläums des Stader Vincent-Lübeck-Gymnasiums begrüßte Schulleiterin Dr. Jutta Neemann bereits zum siebten Mal die interessierte Öffentlichkeit zur Vortragsreihe „Matinee am VLG“, „um ehemalige Schüler zu Wort kommen zu lassen und Einblicke aus ihrem Leben nach der Schule zu bekommen“. Vor rund 150 Gästen sprach am Sonntagvormittag der Schauspieler und Regisseur Philipp Brammer, Abiturjahrgang 1995.
Brammer, dem sein ehemaliger Deutsch-Lehrer Horst Delekat schon zu Schulzeiten „großes schauspielerisches Talent“ und „unerschütterliches Selbstbewusstsein“ attestierte, schlug eher planlos den Weg in die Welt des Theaters ein. Abgesehen von der Mitarbeit im Ensemble der VLG-Theater-AG, damals wie heute unter der Leitung von Jörn-Martin Schöning, hatte er keinerlei Referenzen vorzuweisen, als er sich nach seinem Abitur um ein Regiestudium bemühte. So verwundert es kaum, dass eine Berliner Theaterakademie auf seine freundliche Bitte, ihm doch erst einmal zu erklären, was ein Regisseur eigentlich macht, antwortete: „Wir halten es nicht für möglich, dass Sie jemals Regisseur werden.“
Doch Brammer gab nicht auf und bewarb sich weiter. Das Wiener Max-Reinhardt-Seminar gewährte ihm schließlich einen Studienplatz der Theaterregie. Unter privilegierten Bedingungen, wie der wortgewandte Brammer in seinem herrlich selbstironischen Vortrag hervorhob, wurde er zusammen mit rund 50 Kommilitonen von zeitweise bis zu 150 Professoren unterrichtet. Doch die Wiener Jahre waren hart: 64 Wochenstunden Schauspiel- und 16 Wochenstunden Regieunterricht standen auf dem Programm, Vorbereitungen von Rollen, Szenen und Referaten nicht inbegriffen.
Das Regiestudium brach er schließlich ab, verdingte sich als Regieassistent. Eine Tätigkeit, die ihm abverlangte, einen Theaterbetrieb mit weit über 100 beteiligten Personen zu organisieren. Ein Angebot des renommierten Wiener Burgtheaters bescherte Brammer jedoch bald neue Aufgaben, diesmal auf der Bühne. Er spielte in dem Stück „Die Möwe“ - mit Gastspielen in Berlin, Moskau und Paris. Nach einem Intendantenwechsel folgte die Trennung vom Burgtheater, Brammer musste sich als Kellner über Wasser halten. „Ich fiel ins Nichts – etwas, das Schauspielern häufiger passiert“, sagt er über diese Zeit.
Inzwischen ist Brammer, für den 2003 eigens das Theaterstück „Brammer sieht schwarz und sie lesen etwas“ geschrieben wurde, am Landestheater Niederösterreich tätig. Überrascht ist er über die Tatsache, dass ihm etwas gelungen ist, wovon andere Schauspieler nur träumen: Bisher musste er für kein Engagement zu einem Vorsprechen antreten.
Rund 90 Minuten referierte Brammer. Das begeisterte Publikum dankte ihm für seinen spannenden und kurzweiligen Vortrag mit anhaltendem Applaus.Quelle: Stader Tageblatt vom 24.06.2013