Vincent
Lübeck
Gymnasium
Stade

Mit „Darstellendes Spiel“ für das Leben lernen

Mit „Darstellendes Spiel“ für das Leben lernen

STADE. Das Unterrichtsfach „Darstellendes Spiel“ (DS) wird bei den Schülern der 10. und 11. Klassen am Vincent-Lübeck-Gymnasium (VLG) immer beliebter. Doch es fehlen ausreichend Lehrkräfte, um alle Schüler, die gerne die DS-Kurse belegen möchten, zu unterrichten. Ein Grund: Die Weiterbildung zur DS-Lehrkraft kostet 2000 Euro. Diese Summe wird nicht vom Land übernommen, sondern muss von den Lehrern selbst aufgebracht werden. Um eine VLG-Lehrerin bei der Finanzierung ihrer Weiterbildung zu unterstützen, haben vier DS-Kurse unter dem Motto „So ein Theater“ einen zweistündigen Theater-Abend gestaltet und die Zuschauer um Spenden gebeten. Jugendreporter Daniel Beneke berichtet.
Mit Masken in kunstvoll gestalteten Szenen : Elftklässler reflektieren kritisch das Ideal der „heilen Welt“.
Die Aula füllt sich. Viele Eltern und Schüler der höheren Jahrgänge sind gekommen, um sich anzusehen, welch ein vielseitiges Programm die rund 100 Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 11 unter Anleitung ihrer DS-Lehrer Jörn-Martin Schöning, Benjamin Becker und Björn Cieszynski zusammengestellt haben. Mehr als sechs Wochen lang haben vier DS-Kurse den Theaterabend vorbereitet. Die Kurse möchten Einblicke in ihre laufende Unterrichtsarbeit geben, das Publikum vom Sinn des Faches überzeugen und mit verschiedenen Darbietungen in ihren Bann ziehen.
Das Programm ist vielfältig: Mittels chorischen Sprechens stellen die Schüler eines Kurses des 10. Jahrgangs einzelne Szenen des antiken Dramas „Antigone“ ausdrucksstark dar. Zwei Kurse des 11. Jahrgangs präsentieren dem Publikum selbstentwickelte Theaterstücke.
Im Interview erzählen die Schüler eines Kurses, dass sie sich vor einigen Wochen zusammengesetzt und über mögliche Themen für die Stücke diskutiert haben. Nachdem einige Vorschläge gemacht und auf ihre Umsetzbarkeit hin bewertet worden waren, stimmte der Kurs ab. Entwickelt wurden dann in Kleingruppen anspruchsvolle Stücke zu den Themen „Karrieren“ und „Heile Welt“. Die Entwicklung dieser Stücke – vom Schreiben eines Skripts über das Ausgestalten der Rollen bis hin zum Basteln der Requisiten – wurde von den Schülern in Eigenregie organisiert. Am Ende bieten die Schüler in ihren Stücken in verschiedenen Szenen eine kritische Reflexion, ja bisweilen gar eine Perversion des Ideals der „heilen Welt“. Sie zeigen, dass eine Bilderbuchkarriere nicht auch mit familiärem Glück und mit Zufriedenheit einhergehen muss. Die Elftklässler sparen nicht mit Gesellschaftskritik, thematisieren die Erschaffung einer heilen Welt durch Drogen oder Luxus, beschreiben die Verdrängung von Sorgen durch Konsum und bieten dem Publikum mit ihren kunstvoll gestalteten Szenen allerhand intellektuelles Vergnügen. Weitere sechs Schüler dieses Kurses rezitieren Balladen.
Die Schüler des zweiten Kurses des 11. Jahrgangs präsentieren drei kurze, durch Ironie und Sarkasmus bestechende, Szenen aus der Alltagswelt. Von einem Patienten im Krankenhaus, dessen Beinbruch nur langsam verheilt und der sich über seinen Arzt und die Pfleger ärgert, über drei junge Frauen der vermeintlichen High Society, deren oberflächlicher Talk über Make-up-Hersteller und Modedesigner ihre Dummheit verrät, bis hin zu einem von seinem Job frustrierten Lkw-Fahrer, der seinen Freunden die (wohl nicht ganz ernst gemeinte) Idee präsentiert, mit der Eröffnung eines Bordells zu Reichtum und Glück zu finden.
Der dritte DS-Kurs des 11. Jahrgangs spielt einen Auszug der religionskritischen Satire „Das Liebeskonzil“ aus dem Jahre 1894. Für diese grotesk anmutende Satire wurde der Autor Oskar Panizza wegen Blasphemie zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Das vor allem gegen die katholische Kirche gerichtete Werk war zwischenzeitlich in Deutschland verboten. Den Schülern gelingt es, das Werk aus dem 19. Jahrhundert in die heutige Zeit zu übertragen. So wird die Gottesmutter Maria ganz modern per Handy herbeigerufen. Kostüme und Requisiten für die Aufführung haben die Schüler des Kurses selbst zusammengestellt.
Jörn-Martin Schöning, der die DS-Fachgruppe leitet, ruft das Publikum zum Spenden für die gute Sache auf. Er betont die Besonderheit seines Faches. Darstellendes Spiel helfe, „die Kreativitätskurbeln der Schüler anzuschmeißen“. Die Unterrichtsarbeit in dem Fach helfe den Schülern, in langfristigen Gruppenarbeiten Eigenverantwortung, Disziplin und Zuverlässigkeit zu entwickeln. Eigenschaften, wie sie in nahezu jeder Stellenausschreibung von den Bewerbern verlangt werden. Von der Finanzierung der Ausbildung einer weiteren DS-Lehrkraft „profitiert die Schule, noch mehr aber profitieren die Schüler“, so Schöning. Denn bisher müssten aufgrund der hohen Nachfrage die Teilnehmer der Oberstufen-DS-Kurse oft ausgelost werden. Einige Schüler gehen dabei leer aus. Stehen weitere Lehrkräfte zur Verfügung, könnten mehr Kurse für mehr Schüler angeboten werden und weniger Schüler fielen dem Losverfahren zum Opfer.

Spendenaufruf

Die Fachgruppe „Darstellendes Spiel“ des Vincent-Lübeck-Gymnasiums bittet um Unterstützung zur Finanzierung der Weiterbildung eines Mitglieds des Kollegiums. Spenden nimmt der Förderverein entgegen, der auch Spendenbescheinigungen zur Vorlage beim Finanzamt ausstellt:
Förderverein des Vincent-Lübeck-Gymnasiums, Sparkasse Stade-Altes Land, Kontonummer: 72 876, Bankleitzahl: 241 510 05, Verwendungszweck: „Darstellendes Spiel“.Quelle: Stader Tageblatt vom 22.06.2013