Vincent
Lübeck
Gymnasium
Stade

Schüler entdecken Stader Geschichten

Schüler entdecken Stader Geschichten

STADE. Zufrieden und erleichtert wirken Henning Mergard, Marco Albers und Mirco Fuchs, als sie erzählen, womit sie sich im letzten halben Jahr beschäftigt haben. Die drei Elftklässler des Stader Vincent-Lübeck-Gymnasiums haben in diesem Jahr zum dritten Mal am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teilgenommen. Jugendreporter Daniel Beneke (18) traf die drei VLG-Schüler und sprach mit ihnen über ihre Leidenschaft für Geschichte, die Wettbewerbsarbeit, die sie im Rahmen des Seminarfaches erstellten, und ihre aufwendige Archivrecherche.
Drei Junghistoriker in der Bibliothek des Vincent-Lübeck-Gymnasiums: Die Schüler Mirco Fuchs, Marco Albers und Henning Mergard (von links) haben ihre Seminarfacharbeiten beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten eingereicht.
Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten wird alle zwei Jahre ausgerichtet. Er wurde 1973 durch den damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann ins Leben gerufen und soll bei jungen Menschen das Interesse für Geschichte wecken, Selbstständigkeit fördern und Verantwortungsbewusstsein stärken. In diesem Jahr widmet er sich dem Thema „Nachbarn in der Geschichte“. „Die Arbeiten sollen zudem einen regionalen Bezug haben“, erzählt Mirco Fuchs.
Unter der Betreuung des VLG-Geschichtslehrers Dr. Johannes Heinßen, der die Schüler auch schon bei den Arbeiten für die vorherigen Wettbewerbe begleitet hat, verfassten die drei ihre Seminararbeiten, deren thematische Bandbreite wohl vielfältiger nicht sein könnte. Während sich Henning Mergard dem bislang eher unbekannten Thema der Ostpreußenflüchtlinge im Kreis Stade als Nachbarn auf Zeit nach der russischen Invasion 1914 widmete, befasste sich Marco Albers mit der Seuchenbekämpfung in Stade im 18. Jahrhundert. Mirco Fuchs’ Arbeit handelt vom Straßenunfug von Jugendlichen in Stade im 19. Jahrhundert.
Der weite thematische Rahmen, den das Wettbewerbsmotto „Nachbarschaft“ gab, machte es den Schülern nicht gerade leicht, ihre Themen zu finden. „Ein perfektes Thema gibt es nicht“, erklärt Marco Albers. Doch mithilfe von Akten aus dem Stader Stadt- und Staatsarchiv von 1712 bis 1915 und Hinweisen von Archivmitarbeitern gelang es den Elftklässlern, sich die Themen ihrer Arbeiten zu erschließen. Neben den historischen Unterlagen bezogen die Schüler auch Sekundärliteratur der Gegenwart in ihre Recherche mit ein. Vor allem zu Beginn sei es schwierig gewesen, sich einen Überblick über die teilweise große Zahl von Akten zu verschaffen, die in den Archiven vorhanden sind, um wichtige Informationen von unwichtigen zu trennen, berichtet Henning Mergard. Aufwendig sei es auch gewesen, die in altdeutscher Schrift verfassten Akten in unsere heutige Schrift zu transkribieren.
Immer neue Aktenfunde während der Recherchen erforderten es von den Schülern, ihre thematischen Schwerpunkte und die Gliederungskonzepte ihrer Arbeiten stets erneut anzupassen. Marco Albers vergleicht die Recherche-Arbeit mit einem Puzzle-Spiel, bei dem sich die Bedeutsamkeit einzelner Teile oft erst später offenbart. Der Zeitdruck, vor allem in der Endphase der Herstellung der Arbeiten, machte den Oberstufenschülern ebenso zu schaffen.
Bei der Erstellung der Arbeiten haben die Schüler weitestgehend eigenständig gearbeitet. Zwar bestätigten alle drei, viel Verständnis vonseiten ihrer Eltern erlebt zu haben, doch abgesehen von einzelnen Hilfestellungen methodischer Art oder beim Transkribieren der Akten durch ihren Tutor wurden die Arbeiten völlig selbstständig angefertigt. Hilfreich war dabei ein regelmäßiges Kolloquium gewesen, in dem die drei sich zusammen mit ihrem betreuenden Lehrer über ihre Arbeiten und die Vorgehensweise ausgetauscht haben.
Die Teilnahme an dem Wettbewerb gab den Schülern die Möglichkeit, wertvolle Erfahrungen im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens zu sammeln. Die Auswertung von Quellen, das korrekte Zitieren, die selbstständige Zeiteinteilung – hier boten die Wettbewerbsarbeiten den Teilnehmern die Gelegenheit, viel für das weitere schulische und universitäre Leben zu lernen.
Das Trio hat schon in den vergangenen Jahren beachtliche Erfolge beim Geschichtswettbewerb erzielt: 2009 errangen sie unter jeweils weit mehr als 1000 weiteren Arbeiten einen von 25 Landessiegen, 2011 sogar einen zweiten Preis auf Bundesebene. Nun warten sie gespannt auf Rückmeldung von der Körber-Stiftung, die den Wettbewerb veranstaltet.
Doch ausruhen wollen sich die drei Junghistoriker bis dahin nicht. In den nächsten Wochen werden sie sich ihre Wettbewerbsarbeit von der Teilnahme vor zwei Jahren ansehen und diese mit dem Ziel einer Veröffentlichung überarbeiten und ergänzen. Quelle: Stader Tageblatt vom 25.04.2013