Vincent
Lübeck
Gymnasium
Stade

Sie schickt die Nachrichten hinaus in alle Welt

Sie schickt die Nachrichten hinaus in alle Welt

Viel von der Welt hat Deutsche Welle-Redakteurin Julia Elvers-Guyot gesehen, am Sonntagvormittag kam sie an den Ort ihrer Schulzeit zurück: Im Rahmen der Jubiläumsreihe „Matinée im VLG“ berichtete sie vor mehr als 100 Schülern, Lehrern und anderen Interessierten im Vincent-Lübeck-Gymnasium über ihren Werdegang und die Arbeit der Deutschen Welle.
Bilduntertitel
„Ich hatte hier am VLG eine sehr schöne Schulzeit“, bekannte Elvers-Guyot, begrüßte ihren alten Deutschlehrer Werner Thews, schwärmte von der futurischen Modeschau zur Expo und den Theaterproben mit Jörn-Martin Schöning. „Noch heute träume ich manchmal, dass ich einen Auftritt habe und meinen Text nicht kann“, gestand sie. Damit hatte sie am Sonntagvormittag nicht die geringsten Probleme.
Nach dem Abitur 1992 ging sie als Au-pair nach Paris, anschließend studierte sie in Hamburg und später in Bonn Slawistik, besuchte Moskau und Petersburg, knüpfte erste Kontakte zu Medien, machte ein Praktikum beim Deutschen Bundestag. Ein Stipendium führte sie nach Prag, wo sie bei der Prager Zeitung jobbte. Sie landete schließlich als Redaktionsassistentin beim WDR, im Studio Brüssel. 2004, 30 Jahre alt, trat sie ihr Volontariat bei der Deutschen Welle in Bonn an, wo sie als Chefin vom Dienst arbeitet.
Mit ihren Sprachkenntnissen und der Auslandserfahrung war Julia Elvers-Guyot wie geschaffen für diesen Sender, der Menschen aus 60 Nationen beschäftigt und in 30 Sprachen weltweit über verschiedene Medien zu empfangen ist. Hauptziel der öffentlich-rechtlichen Anstalt ist, Deutschland den Menschen in der Welt zu erklären und die deutsche Sprache zu verbreiten – zum einen mit der Berichterstattung, zum anderen mit Sprachkursen. „Die Deutsche Welle ist die mediale Stimme Deutschlands in der Welt“, so die Redakteurin, „sie vermittelt weltweit Menschenrechte und Werte freiheitlicher Demokratie.“
Es werde allerdings kein geschöntes Bild gezeigt. So erkundigte sich der Journalist Jörn Freyenhagen, wie denn die Deutsche Welle mit negativen Ereignissen umgehe, etwa den NSU-Morden. „Über die berichten wir im gleichen Umfang“, erklärte Elvers-Guyot, „dann zeigen wir, wie Deutschland damit umgeht.“
Die Deutsche Welle spielte auch im arabischen Frühling eine große Rolle. Die Tatsache, dass die meisten Klicks im Internet aus Krisengebieten kommen, belege die große Bedeutung des Senders für die Demokratisierung in der Welt. „Allein auf Farsi, dem Persischen, haben wir eine Million Klicks pro Tag.“ Ob denn irgendwann der Punkt erreicht sei, an dem die Deutsche Welle ihre Aufgabe erfüllte hätte, wollte Politiklehrer Horst Delekat wissen. Das glaube sie nicht, so Julia Elvers-Guyot „dann hätten wir keine Kriegs- und Krisengebiete mehr“. (sh)

Die nächste Matinée

Zur nächsten Matinée im VLG am 14. April kommt Dierk Borstel in seine alte Schule zurück. Der Politologie-Professor, der 1992 in Stade Abitur gemacht hat, spricht über „Rechtsextremismus zwischen Normalität und Terrorismus“. Beginn: 11 Uhr. Quelle: Stader Tageblatt vom 11.03.2013