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In Schweden zum Computer-Freak mutiert

In Schweden zum Computer-Freak mutiert

Informatiker und city-map-Mitbegründer Henrik Steffen plaudert im VLG aus dem Nähkästchen

STADE. Meistens war er 1997 zum Telefonieren aus dem Klassenraum gegangen, wenn sein Handy klingelte. Aber das klappte nicht immer. Oft war Wichtiges sofort zu klären. Dann drohte ein Verweis und musste der angehende Abiturient Henrik Steffen achselzuckend murren: "He, ich hab' eine Firma zu leiten!" Dann ging es um City-Map, die pionierhafte Internet-Marktplatz-Idee, die bis heute Furore macht und 160 Auftritte hat. Über die spannenden Gründerjahre während seiner Schulzeit und das, was folgte, plauderte der Informatiker bei der ersten Matinée im 150. Jubiläumsjahr des Vincent-Lübeck-Gymnasiums am Sonntag.
Henrik Steffen - Mitbegründer von City-Map und erfolgreicher IT-Unternehmer - plauderte im Vincent-Lübeck-Gymnasium aus dem Nähkästchen. Foto Eidtmann
Er freue sich, dass gerade Henrik Steffen den Auftakt mache, moderierte Horst Delekat den ungezwungenen Vormittag im Lehrerzimmer des VLG, nachdem Schulleiterin Dr. Jutta Neemann das 40-köpfige Publikum begrüßt hatte. "Von der Schulbank bis in die bunte Welt des E-Commerce" hatte der erfolgreiche Unternehmer seinen Vortrag tituliert. Mit im Raum seine Ehefrau und das elf Wochen junge Töchterchen. "Das Leben bleibt spannend", strahlte der 34-Jährige, der mit seiner heutigen Firma "topconcepts" in Harburg 18 Mitarbeiter beschäftigt und noch viel stärker expandieren könnte, wenn er denn weitere Programmierer und IT-Fachkräfte finden würde. "Der Fachkräftemangel ist angekommen", bedauert der erfolgreiche Unternehmer, der mittlerweile mit Rundum-Service für online-Shops sein Geld verdient und dessen Herz nach wie vor für Stade schlägt.
Für dessen Vermarktung hatte er denn auch die Idee zum Stade-Song "Es weht ein frischer Wind im Norden", den man hört, wenn man in der Telefonwarteschleife steckt. Und das obwohl Henrik Steffen und Markus Albrecht von City-Map als Website-Gestalter in ihren Anfängen gerade bei der Stadt Stade abgeblitzt waren. "Die haben uns das einfach nicht zugetraut", sagt Steffen.
Mut, Ideen, Fleiß, Glück - bei dem in Himmelpforten großgewordenen Schüler kamen viele Faktoren zusammen, die ihn in die Erfolgsspur führten. Aber den entscheidenden Einfluss hatte nicht das Vincent-Lübeck-Gymnasium mit seinen traditionellen Lehrinhalten, sondern das Austauschjahr in Schweden. Denn dort entdeckte und pflegte der junge Mann seine Faszination für Computer, HTML und Internet. Während seine Schule in Stade acht veraltete Rechner in einem einzigen EDV-Raum bot, konnte er in Schweden mit modernstem Equipment arbeiten "bis hin zum Laserdrucker". Ein Freak sei er dort geworden, bekennt der Informatiker, der nie studierte und im Grunde auch gar keine abgeschlossene Ausbildung hat. Aber er bewies es allen und glaubt fest daran: "Wenn man Lust und Energie hat, kann man auch ohne Diplom etwas werden."
Pragmatischer, lebensnäher fand er den Unterricht in Schweden. Leicht fiel es ihm, die Sprache zu erlernen. Dieses Jahr, das ist unschwer herauszuhören, hat die Weichen seines Lebens gestellt. Dort durfte er übrigens schon als Bengel für die Stadt Karlshamn die Website gestalten, 1500 Mark verdiente er dabei. Schönes Geld, für das er sich - zurück in Deutschland - einen guten PC kaufte... www.topconceps.com (je)Quelle: Stader Tageblatt vom 29.01.2013