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Musical Hair: Hippies lassen die Haare fliegen

Musical Hair: Hippies lassen die Haare fliegen

Schülertheater – wer das noch mit Aufführungen verbindet, bei denen der Besucher mindestens ein Auge zudrücken sollte, war lange nicht mehr in Stade unterwegs. Die Generalprobe am Mittwochmorgen im mit Schülern voll besetzten Stadeum strotzte vor Professionalität. Und der Beifall nach allen Szenen und Liedern zeigte den Solisten und den Sängerinnen und Sängern des Schulchors des Athenaeum und den Gästen vom Vincent-Lübeck-Gymnasium, dass sie einen ansprechenden Ton getroffen hatten. Eingeschlossen dabei sind auch die neun Musiker, die auf einem Podest in der Bühnentiefe ihre Songs gekonnt ablieferten.
Mitreißende Inszenierung in buntem Outfit : Hauptdarsteller Berger (Frederic Ott) auf der Stadeum-Bühne inmitten wirbelnder Haare. Foto Stief
STADE. Das Musical „Hair“, das Schüler des Athe und des VLG auf die Bühne des Stadeum brachten, war fabelhaft inszeniert. Szenen und Songs gingen unter die Haut und die Live-Band spielte hochklassig. Ein I-Tüpfelchen: der Auftritt von Athe-Schulleiter Horn als spießiger Vater. Beim Musical „Hair“ geht es um Haare. Lange Haare. Sie sind das Symbol des Protestes einer jungen Generation ab Mitte der 60er Jahre gegen die Eltern und den Staat. Gegen Eltern, die ein spießiges und mit Konventionen gepflastertes Leben vorgeben und einen Staat, der viel fordert und seine jungen Männer (damals noch Wehrpflichtige) in den Vietnamkrieg schickt.

Zeitalter des Wassermanns

Auf der Bühne tobt erst mal das bunte Leben. Hippies rufen singend das neue Zeitalter aus, das des Wassermanns, das Frieden bringen wird. Das findet sich auch andeutungsweise im Bühnenbild der Klasse 9f1 wieder, das angenehm sparsam die Eckpunkte liefert: das Peace-Zeichen, den Spruch „Make Love not War“. Ansonsten ziehen die 50 Akteure, von denen immer viele auf der Bühne sind, die Blicke auf sich. Und das sollen sie auch, denn sie überbringen mit ihrem Spiel und in ihren Liedern die Botschaften des Musicals.
Da treffen Welten aufeinander. Hair erzählt die Geschichte einer Gruppe langhaariger Hippies, die die freie Liebe leben, sich durch das umfangreiche Drogenangebot hangeln und sich gegen die Einberufung nach Vietnam auflehnen. Berger (Frederic Ott) und Sheila (Marlene Schüttler) sind ein Paar, zu ihnen stößt Claude (Wolf Rolapp), der seine eigene Haltung zum Krieg noch nicht gefunden hat. Letztlich wiedersetzt er sich der Einberufung nicht und geht nach Vietnam. In einer eindrucksvollen Szene, die viel Beifall bekommt, werden erst seine Kameraden und dann auch er erschossen.
Zu den sechs Hauptdarstellern, die die Geschichte voranbringen, gehören auch Jeanie (Laura Knorr), Hud (Theodor Garitz) und Woof (Noah Carstensen), die zusammen rumhängen und auf die bürgerliche Kleinfamilie pfeifen, auch wenn das eigene Kind dabei auf der Strecke bleibt.
Die Aufführung des Musicals Hair ist eine Gemeinschaftsleistung aller Beteiligten. Zu den Hauptdarstellern gesellen sich laut Programmheft, das umfangreich und gut gemacht ist, noch Solosänger und viele weitere Darsteller, die bis in die kleinste Rolle engagiert agieren. Natürlich können die Hauptdarsteller und die Solosänger glänzen, weil ihnen der Platz ganz vorne an der Rampe geboten wird. Und sie glänzen auch, gehen so gut in ihren Rollen auf, dass in vielen Szenen Gänsehautfeeling aufkommt.
Am Schlussapplaus war ablesbar, dass Jörn-Martin Schöning (Regie), Harriet von Sandrart (Choreografie) uns Benjamin Warnat (Gesamtleitung) gute Arbeit geleistet haben. Und wenn dann auch noch Schulleiter Wolfgang Horn und Lehrerin Dr. Sabine Buck die Spießernummer abliefern – Hut ab. Vor allen.
Die zweite Aufführung des Musicals „Hair“ ist am Donnerstag, 1. Juni, ab 19.45 Uhr im Stadeum.Quelle: Stader Tageblatt vom 31.05.2017, 18:00