Sieben Jungen und ein Mädchen der siebten bis neunten Klasse wälzten
alte Akten aus den Jahren 1721 bis 1730. Und was sie dort fanden, war
interessant. Fast vier Monate haben sie gebraucht, um sich durch die Papiere
zu wühlen, sie auszuwerten und vor allem zu entziffern. Nicht gerade
einfach, waren sie doch in altdeutscher Schrift verfasst. "Außerdem
mussten wir uns ja in die Denkweise der damaligen Zeit hinein versetzen",
so Marco Darius Albers (15).
Ihre mit 1000 Euro dotierte Arbeit "Der Fall der Anna Engel Berger" handelt
von der gleichnamigen Neuenwalder Pastorenfrau. Diese erregte die Gemüter
ihrer Mitmenschen. Woran es nun genau lag, wurde trotz intensiver Forschung
nicht genau klar. Vermutlich trank sie aber zu viel Alkohol und wurde dadurch
gewalttätig und unberechenbar, vermuten die Schüler in ihrer Arbeit.
Das Problem mit der Pastorenfrau brachte nicht nur das kleine Dorf Neuenwalde
zwischen Bremen und Cuxhaven in Aufruhr, sondern beschäftigte sogar
den Rittertag zu Basdahl und das Konsistorium in Stade. Schließlich
sollte die Frau des Pastors Gabriel Berger in ein Zuchthaus eingewiesen werden,
fanden die Gymnasiasten heraus.
Aber warum war es ein Skandal? Dieser Frage gingen die Geschichtsfans nach.
Der Grund, warum es überhaupt eine Akte von Anna Berger gibt, ist der
jahrelange Streit um Geld. Genauer gesagt: um 15 Reichstaler. Weder das
königliche Konsistorium zu Stade noch die Ritterschaft des Herzogtums
Bremen wollen diesen Betrag für die Unterbringung im Zuchthaus
übernehmen.
Ein Ausweg, den man nach jahrelangem Streit fand, war die Versetzung des
Pastors in eine Pfarrstelle, auf der er mehr verdient. Denn nur so hätte
er die Kosten für die Unterbringung seiner Frau allein tragen können.
Doch dazu sei es nicht gekommen, denn der Pastor starb 1927 in Neuenwalde.
"Aus damaliger Sicht war der Skandal damit erledigt, denn das Verhalten von
Anna Engel Berger gewann ja nur an Bedeutung, weil sie die Frau des Geistlichen
war und damit eine Vorbildfunktion wahrzunehmen hatte", so Johannes Feld
(15).
Nach dem Tod ihres Mannes verschwand Anna Engel Berger bald im Dunkeln der
Geschichte fanden die Schüler heraus. Sie sind sich einig: "Aus heutiger
Sicht liegt der eigentliche Skandal darin, dass die Alkoholsucht offenbar
in Abhängigkeit von der gesellschaftlichen Position ganz unterschiedlich
bewertet wurde."
Das Preisgeld von insgesamt 1250 Euro für Bundes- und Landessieg haben
sie untereinander aufgeteilt. Spezielle Wünsche, was sie damit machen
wollen, gibt es noch nicht. Gerne würden sie aber mit ihrem Tutor Dr.
Johannes Heinßen auf Exkursion gehen.
Die Bundessieger
Insgesamt gibt es 50 Bundessieger beim Geschichtswettbewerb des
Bundespräsidenten. Es werden fünf erste Preise verliehen, 15 zweite
Preise und 30 dritte Preise. Die Körber-Stiftung ist Ausrichter des
Wettbewerbs und lobt dazu Preise in Höhe von 250 000 Euro aus. Weitere
Infos im Internet unter:
www.geschichtswettbewerb.de