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Liederliche Pastorenfrau bringt Preis

Mit ihrer Recherche über Anna Engel Berger kommen Stader Schüler auf Platz zwei im bundesweiten Geschichtswettbewerb


Christine Schönfeld STADE. Sie schlug und trank und wurde damit zu einem handfesten Skandal. Die Rede ist von Anna Engel Berger. Mit der Geschichte der Pastorenfrau von Neuenwalde im Landkreis Cuxhaven gewannen jetzt acht Schüler vom Vincent Lübeck-Gymnasium einen zweiten Preis auf Bundesebene im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten.
Das Thema des diesjährigen Wettbewerbs "Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte" fand bei Schülern der Geschichts-AG des Gymnasiums großen Anklang. "Wir haben uns dann auf die Suche nach einem geeigneten Fall in unserer Nähe gemacht", berichtet Mirco Fuchs (15). Und der war schnell gefunden. Und zwar im Archiv der Ritterschaft in Stade und mit Hilfe von Archivar Thomas Fenner.
 
Platz zwei: Thomas Fenner, Johanna Fröhling, Johannes Feld, Till Nima Albers, Marco Darius Albers, Christian Spreckels, Henning Mergard, Christian Strunk, Tutor Dr. Johannes Heinßen und Mirco Fuchs (von links) erkundeten die Geschichte einer skandalumwitterten Pastorenfrau von Neuenwalde. Foto Schönfeld

Sieben Jungen und ein Mädchen der siebten bis neunten Klasse wälzten alte Akten aus den Jahren 1721 bis 1730. Und was sie dort fanden, war interessant. Fast vier Monate haben sie gebraucht, um sich durch die Papiere zu wühlen, sie auszuwerten und vor allem zu entziffern. Nicht gerade einfach, waren sie doch in altdeutscher Schrift verfasst. "Außerdem mussten wir uns ja in die Denkweise der damaligen Zeit hinein versetzen", so Marco Darius Albers (15).
Ihre mit 1000 Euro dotierte Arbeit "Der Fall der Anna Engel Berger" handelt von der gleichnamigen Neuenwalder Pastorenfrau. Diese erregte die Gemüter ihrer Mitmenschen. Woran es nun genau lag, wurde trotz intensiver Forschung nicht genau klar. Vermutlich trank sie aber zu viel Alkohol und wurde dadurch gewalttätig und unberechenbar, vermuten die Schüler in ihrer Arbeit. Das Problem mit der Pastorenfrau brachte nicht nur das kleine Dorf Neuenwalde zwischen Bremen und Cuxhaven in Aufruhr, sondern beschäftigte sogar den Rittertag zu Basdahl und das Konsistorium in Stade. Schließlich sollte die Frau des Pastors Gabriel Berger in ein Zuchthaus eingewiesen werden, fanden die Gymnasiasten heraus.
Aber warum war es ein Skandal? Dieser Frage gingen die Geschichtsfans nach. Der Grund, warum es überhaupt eine Akte von Anna Berger gibt, ist der jahrelange Streit um Geld. Genauer gesagt: um 15 Reichstaler. Weder das königliche Konsistorium zu Stade noch die Ritterschaft des Herzogtums Bremen wollen diesen Betrag für die Unterbringung im Zuchthaus übernehmen.
Ein Ausweg, den man nach jahrelangem Streit fand, war die Versetzung des Pastors in eine Pfarrstelle, auf der er mehr verdient. Denn nur so hätte er die Kosten für die Unterbringung seiner Frau allein tragen können. Doch dazu sei es nicht gekommen, denn der Pastor starb 1927 in Neuenwalde. "Aus damaliger Sicht war der Skandal damit erledigt, denn das Verhalten von Anna Engel Berger gewann ja nur an Bedeutung, weil sie die Frau des Geistlichen war und damit eine Vorbildfunktion wahrzunehmen hatte", so Johannes Feld (15).
Nach dem Tod ihres Mannes verschwand Anna Engel Berger bald im Dunkeln der Geschichte fanden die Schüler heraus. Sie sind sich einig: "Aus heutiger Sicht liegt der eigentliche Skandal darin, dass die Alkoholsucht offenbar in Abhängigkeit von der gesellschaftlichen Position ganz unterschiedlich bewertet wurde."
Das Preisgeld von insgesamt 1250 Euro für Bundes- und Landessieg haben sie untereinander aufgeteilt. Spezielle Wünsche, was sie damit machen wollen, gibt es noch nicht. Gerne würden sie aber mit ihrem Tutor Dr. Johannes Heinßen auf Exkursion gehen.



Die Bundessieger

Insgesamt gibt es 50 Bundessieger beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Es werden fünf erste Preise verliehen, 15 zweite Preise und 30 dritte Preise. Die Körber-Stiftung ist Ausrichter des Wettbewerbs und lobt dazu Preise in Höhe von 250 000 Euro aus. Weitere Infos im Internet unter:
 www.geschichtswettbewerb.de

Stader Tageblatt vom 18.11.2011

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