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Schulleben - Andere über uns






Ökogarten ist einmalig in der Region

Nach der drastischen Mittelstreichung erarbeiten Lehrer ein neues Nutzungs-Konzept für Unterricht im grünen Klassenzimmer


LANDKREIS. Ein Naturparadies liegt versteckt hinter Gräben und Hecken mitten in Stade: Der Ökologische Untersuchungsgarten des Landkreises. Ursprünglich als grünes Klassenzimmer für Schüler aus dem gesamten Landkreis gedacht, kämpfen Biologie-Lehrer jetzt um eine Mindestausstattung der Einrichtung.
Vor 25 Jahren im Grünland zwischen Schölisch und der Glückstädter Straße angelegt, erfuhr der ökologische Untersuchungsgarten unter Oberkreisdirektor Dr. Karsten Ebel Ende der 1980er Jahre begeisterte Unterstützung. Mit dem Biologen Dr. Hubert Scheid stand bis 2009 sogar ein wissenschaftlicher Betreuer zur Verfügung, der Lehrkräfte bei Klassenbesuchen im Ökogarten fachlich intensiv begleitete.
 
USetzen sich mit Kollegen für die Erhaltung des Ökologischen Untersuchungsgartens ein: Biologie-Lehrer Rainer Hawmann (links) und Klaus Krapohl.

Als Scheid vor zwei Jahren in den Ruhestand ging, sparte der Landkreis Stade nicht nur die Biologenstelle ein.
Statt 80.000 Euro jährlich stehen für den Ökologischen Untersuchungsgarten heute gerade noch 10.000 Euro zur Verfügung. So ist es auch im "Haushaltssicherungskonzept 2011" nachzulesen. Schon lange ist zum Beispiel keine Rede mehr davon, dass Kinder aus der gesamten Region kostenlos per Bus zum Öko-Garten kamen. Zu den heutigen Nutzern der Anlage zählen vor allem das Vincent-Lübeck-Gymnasium (VLG) und die benachbarten Berufsbildenden Schulen III.
Rainer Hawmann ist Biologielehrer am VLG und kommt als Fachleiter am Staatlichen Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien viel herum. Eine Einrichtung wie den Ökologischen Untersuchungsgarten in Stade hat er jedoch weit und breit nicht gesehen: "Etwas ganz tolles ist da entstanden, in dieser Form wohl einmalig in Norddeutschland." Wer den Öko-Garten besucht, fühlt sich an Bilder aus der Schulfibel erinnert: Ein Weiher mit gelben Teichrosen über dem Libellen kreisen, ein Hof mit alten Obstbaumsorten, akkurat gepflegte Gemüsebeete, ein Wäldchen.
Schülergruppen steht eine gut ausgestattete Station zur Verfügung mit wissenschaftlicher Optik, Keschern, Bestimmungsbüchern. An der Decke hängt Imker-Kleidung. Denn ein fleißiges Bienenvolk, künftig betreut von Imker Norbert Wilke, sorgt nicht nur für eine gute Ernte im Obstgarten, sondern steht auch für schulische Zwecke zur Verfügung. Auch Referendare erhalten hier viele Anregungen für den Biologie-Unterricht.
Nach der Mittelstreichung durch den Landkreis Stade sorgen sich Biologielehrer jedoch um die Zukunft des Ökologischen Untersuchungsgartens. Sie sind gerade dabei, ein Nutzungskonzept für die Einrichtung zu erstellen und versuchen in ihrer Freizeit auch die vom Kreis gedeckelte Tätigkeit von Hausmeister und Gärtner zu unterstützen.
Für Rainer Hawmann und seine Kollegen geht es nicht mehr nur darum, den Garten zu erhalten. Vielmehr soll die Einrichtung bald wieder Kindern aus dem gesamten Landkreis zugute kommen. "Das aber funktioniert nur, wenn Schule und Schulbehörde einen Lehrer oder eine Lehrerin dafür mindestens zehn Stunden pro Woche freistellen", so Hawmann.
Stades Kreisbaurat Hans-Hermann Bode versichert auf Anfrage, dass der Ökologische Untersuchungsgarten als solcher "nicht in Frage steht." Die pädagogische Betreuung sei aber nicht Sache des Landkreises. (ccs)



Wer alles im Ökogarten wohnt

Schüler beteiligen sich an Geo-Aktion zur Bestimmung der Artenvielfalt


Der Ökogarten des Landkreises Stade in der Glückstädter Straße bietet nicht nur Platz für spannenden Unterricht, sondern ist auch ein Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten mitten in der Stadt. Das haben Schülerinnen und Schüler des Vincent-Lübeck-Gymnasiums jetzt bewiesen.
Bewaffnet mit Kescher und Fernglas, Lupe und Bestimmungsbuch machten sich die Fünf- bis Zehntklässler auf zur Ökogarten-Safari und notierten, was in Weiher und Wiese, Graben und Gemüsebeet so alles unterwegs ist. Vom Schnellkäfer bis zur Schnecke von der Wolllaus bis zum Wasserfloh. Bio-Lehrer Rainer Hawmann: "Wir waren selbst erstaunt, dass wir in den sechs Stunden Untersuchungszeit fast 20 Vogelarten im Ökogarten beobachtet haben, auf einer Fläche von der Größe zweier Sportplätze."
17 Pflanzenarten im Hecken-Biotop, 20 wirbellose Tierarten im Weiher, darunter die handgroßen Teichmuscheln sind Beispiele für die Artenvielfalt im Ökogarten. Ein Paar grünfüßiger Teichhühner, wissenschaftlich Gallina chloropus, ließ sich übrigens von den engagierten jungen Naturforschern nicht stören: Es führte seelenruhig zwei Küken über die Blätter der gelb blühenden Teichrosen. Auch der zunächst etwas unappetitlich wirkende Schleim aus dem Weiher erwies sich unter den Mikroskopen der Ökogarten-Station als erfreulicher Fund - ein Schneckengelege. Die Ergebnisse der Schüler werden auf der Homepage des Gymnasiums veröffentlicht. Den Tag der Artenvielfalt, ins Leben gerufen vom Magazin Geo, wollen die Schülerinnen und Schüler im nächsten Jahr auf die Nacht ausdehnen: "Dann können wir sicher auch Nachtfalter und Fledermäuse finden."
(http://www.vlg-stade.de)

Tag der Artenvielfalt in der Station des Ökogartens: Wasserproben unter dem inversen Mikroskop.

Stader Tageblatt vom 15.06.2011

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