|
|
Schulleben - Andere über uns
|
|
|
|
|
|
|
"Der Meiler ist noch da, aber er prägt die Stadt
nicht mehr"
In Stade läuft seit 2005 der Rückbau eines Atomkraftwerks: Viele
Bürger sind froh |
Stade
Mit der Stilllegung des Kernkraftwerks Stade an der Unterelbe begann am 14.
November 2003 der von der damaligen rot-grünen Bundesregierung beschlossene
Atomausstieg. Angesichts der aktuellen Ereignisse um das japanische Atomkraftwerk
Fukushima scheinen viele Bürger der Hansestadt heute froh über
die damalige Entscheidung zu sein. "Der Meiler ist zwar noch präsent,
aber er prägt die Stadt nicht mehr", sagt Bürgermeister Andreas
Rieckhof (SPD). Seit 2005 läuft der Rückbau des Kernkraftwerks,
mehr als 99 Prozent des radioaktiven Inventars sind bereits entfernt.
|
Doch nach wie vor liegen im Radius von 70 Kilometern um den Kreis Stade drei
Atomkraftwerke, Brokdorf, Brunsbüttel und Krümmel. Das nördliche
Kreisgebiet ist sogar nur zehn Kilometer vom Reaktor in Brokdorf entfernt.
"Damit gehören wir zur unmittelbaren Gefahrenzone und sind am
Katastrophenschutz beteiligt", sagt der Stader Landrat Michael Roesberg.
Derzeit sorge er sich aber mehr um Sturmfluten als um mögliche
Zwischenfälle in hiesigen Kernkraftwerken.
Gleichwohl reagiert man in der Stadt sehr sensibel auf die von Erdbeben und
Tsunami ausgelöste Atomkatastrophe in Japan. Besonders betroffen zeigen
sich die Lehrer und Schüler des Vincent-Lübeck-Gymnasiums in Stade.
|
|
 |
Fast das gesamte radioaktive Material ist aus der Anlage entfernt,
nun werden die leeren Gebäude gereinigt. Schon in vier Jahren soll das
gesamte Gelände in eine grüne Wiese verwandelt worden sein.
|
|
Eigentlich waren am vergangenen Freitag 15 Schüler der Partnerschule
aus der schwer getroffenen Region Sendai zu einem lange zuvor geplanten Besuch
in Stade erwartet worden. Die Reise wurde aber kurzfristig abgesagt. "Die
meisten unserer japanischen Freunde sind zwar wohlauf, aber immer noch damit
beschäftigt, ihre Angehörigen zu suchen", sagt Oberstudienrätin
Brigitte Keuchen.
Initiatorin der Schulpartnerschaft mit Japan war die Stader Lehrerin Silke
Hemke, die lange für die Grünen im Stadtrat saß. Hemke hatte
im Sommer 2005 auch eine Delegation aus der Präfektur Sendai begleitet,
die sich seinerzeit im stillgelegten Kernkraftwerk Stade über den
Rückbau informierte. Hemke verweist darauf, dass das Atomkraftwerk Fukushima
ursprünglich im vergangenen Jahr abgeschaltet werden sollte, dann aber
eine Laufzeitverlängerung erhielt. Ein Sprecher des Energieunternehmens
E.on, zu dem das nun in Rückbau befindliche Stader AKW gehört,
bestätigt, dass in der Vergangenheit mehrfach Gäste aus Japan in
Stade gewesen seien.
Im Landkreis und in der Stadt Stade sind inzwischen Spendenaktionen für
die Opfer der Katastrophe in Japan angelaufen. Daran beteiligen sich auch
die Kirchen. "Wir sind beeindruckt von der Anteilnahme der Menschen",
erklärt der Stader Superintendent Thomas Kück. Die Grünen
im Kreis Stade haben für jeden Montag um 18 Uhr zu einer Mahnwache auf
dem Pferdemarkt in Stade aufgerufen. Dabei soll nicht nur der Ereignisse
in Japan gedacht werden, gefordert wird zugleich die Stilllegung aller
Atomkraftwerke in Deutschland.
Unterdessen geht die Demontage in Stade planmäßig weiter. Vor
wenigen Tagen wurde der Bescheid des Gewerbeaufsichtsamtes über die
vierte Teilgenehmigung veröffentlicht. Inzwischen sind auch der
Reaktordruckbehälter, seine äußere Betonabschirmung sowie
der Sicherheitsbehälter zerlegt. In der jetzt anlaufenden Phase 4 werden
alle leeren Gebäude gereinigt und auf Radioaktivität kontrolliert.
Nach Angaben von E.on befinden sich derzeit noch rund 3000 Tonnen leicht-
und mittelradioaktive Abfälle aus dem Kernkraftwerk in einem Zwischenlager.
Das gesamte Gelände soll sich laut E.on nach Abschluss der Arbeiten
2015 in eine grüne Wiese verwandeln.
|
Welt online vom 23.03.2011
|
|
|
|