Margot Rung STADE. Begeisterter und stürmischer Applaus nach der letzten
Szene. Die Seminarturnhalle war ausverkauft, einige Besucher erhielten
Stehplätze und freuten sich, das Stück "Adam Geist" doch noch sehen
zu können. Und es war sehenswert, was die 13 Schüler und
Schülerinnen des Vincent Lübeck Gymnasiums am Mittwochabend auf
die Bühne brachten.
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Eine tolle Leistung vom ganzen Ensemble, das mit viel Spielfreude agierte,
das sollte vorweg erwähnt werden. Höchst musikalisch und fast
beiläufig zum Treiben auf der Bühne war die Gitarrenbegleitung
von David Keuchen.
Die Theater AG unter der Leitung von Jörn-Martin Schöning hatte
sich für ihr jüngstes Projekt ein zeitgenössisches Stück
ausgesucht. "Adam Geist" von Dea Loher, wahrlich keine leichte Kost. Eine
moderne Passionsgeschichte gewissermaßen, das Leben des jungen Adam
Geist wird in einzelnen Stationen erzählt.
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Das Theaterensemble des Vincent-Lübeck-Gymnasiums in der
Seminarturnhalle. Foto Rung
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Dieser Adam Geist ist ein Suchender und durch Verlust auch ein Haltloser
geworden. Kein Vater, die Mutter stirbt, er ist allein und befindet sich
in einer Welt, von der er sich abgestoßen fühlt, wird zum
Mörder, zum Liebenden, zum Retter. Um am Schluss zu sterben. Klassischer
Stoff im zeitgenössischen Gewand, das spricht junge Leute an und
ältere, die wissen wollen, wie die Jugend heute so tickt.
Die sparsame Ausstattung der Seminarturnhalle passt zum Stück, das in
der Tradition des epischen Theaters von Brecht angesiedelt ist. Das Ensemble
ist schwarz gekleidet, das Bühnenbild spartanisch. In der Bühnenmitte
befindet sich ein länglicher Tisch, auf dem unter einem weißen
Tuch Adams Mutter aufgebahrt liegt. Adam (sehr gut besetzt mit Nico Geiger)
trauert, will sterben. Er ist der moderne Looser, durchdrängt von bohrenden
Fragen nach dem Sinn des Lebens. Ein Nichtintellektueller, der sich mit allen
Mitteln durchschlägt. Adam Geist lernt an Profit zu denken, wird zum
Dealer und scheitert letztendlich, weil er alleine ist. In einer Szene wird
er wie so oft zusammenschlagen.
Doch er scheint Glück zu haben und findet in der Figur des Indianers
(Vincent Langmann überzeugt in seiner Rolle) einen Freund. Auch dieser
wird später sterben. In einer anderen Szene lässt sich Adam als
Söldner anheuern, ist auf Patrouille in einem bosnischen Dorf und muss
miterleben, wie unschuldige Zivilisten von einem Uniformierten angegriffen
werden. Einmal wird er sogar zum Helden. Als Feuerwehrmann rettet er zwei
Menschen und wird gefeiert. Gehört er jetzt dazu? Gibt es überhaupt
Erlösung? Die Lebensstationen dieses jungen Antihelden, dargestellt
in 13 klar voneinander abgegrenzten Szenen, werfen Fragen auf, und das ist
gut so. Damit ist "Adam Geist" ein Stück verdammt nah am Puls der
Zeit.
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