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Schulleben - Andere über uns




Die Gymnasien im doppelten Abi-Stress

G8 und G9: Einmalig legen zwei Jahrgänge zugleich Prüfungen ab - Schulen sehen Schüler gut vorbereitet


LANDKREIS. Von Jutta Eidtmann und Leonie Ratje
Hermann Krusemarks Zeitplan für die Abiturprüfung 2011 am Stader Athenaeum hat den 2. März als ersten und den 26. Mai als letzten Termin. Dazwischen liegt eine logistische, intellektuelle und physische Meisterleistung, wie sie alle allgemeinbildenden Gymnasien in Niedersachsen erbringen müssen: Der einmalige Abi-Doppeljahrgang beendet dieses Jahr die Schule.
An den drei Gymnasien in Trägerschaft des Landkreises wollen 630 junge Menschen der Jahrgangsstufen 12 (G8) und 13 (G9) so gute Prüfungen hinlegen, dass sie die Hochschulreife schaffen: 240 sind es am Athenaeum, 280 am Vincent-Lübeck-Gymnasium, 110 am Gymnasium in Harsefeld.
Noch nie mussten so viele Prüfungen für so viele Schüler vorbereitet, organisiert und korrigiert werden. Am Buxtehuder Halepaghen-Gymnasium gibt es allein im Kernfach Mathematik 118 schriftliche Prüfungen. Das wird den Lehrkräften einiges abverlangen. Am VLG laufen nach Darstellung von Schulleiterin Dr. Jutta Neemann bis zu acht schriftliche Prüfungen parallel.
 
Volle Konzentration während der Reifeprüfung: In diesem Jahr legen einmalig zwei Jahrgänge ihr Abitur ab.

Stöhnen über bis zu 20 Prüfungen werden aber auch Fachlehrer in Religion, Biologie, Politik, Geschichte - klassische Fächer für P5, die mündliche Prüfung.
Und die Schüler? Nach Beobachtungen der Schulleiter sind sie "gut vorbereitet". Einzelne gingen auf dem Weg verloren, aber nicht durch freiwillige Rückstufung (wie es ein Trend in einigen größeren Städten war), sondern eher durch Abgang oder Wechsel in eine Ausbildung.
Etwa 35 Halepaghen-Schüler sind zurück in die 11. Klasse gegangen. "Wiederholer gab es früher schon, jetzt gehen mehr Schüler freiwillig zurück", sagt Oberstufenkoordinator Reinhard Zimmer. Andere seien abgegangen. So kommt es, dass der Doppeljahrgang mit 197 Schülern so groß ist, wie die Jahrgangsstufe 11 (195 Schüler). Schulleiter Hans-Jürgen von Maercker vermutet, dass einige Schüler Panik nach der 11. Klasse bekommen hätten, weil sie es versäumt haben, sich rechtzeitig auf die Abiturprüfungen vorzubereiten. "Andere haben nicht die Noten erreicht, die sie wollen", sagt er. Viele hätten schon den Numerus Clausus an den Universitäten im Blick und wiederholen, um sich zu verbessern. "Durch das Abitur nach zwölf Jahren haben sie ja ein Jahr gespart", ergänzt Zimmer.
Gerade die G8-Schüler haben sich in den vergangenen zwei Jahren durch einen Wust an Stoff kämpfen müssen, weil die Lehrpläne noch nicht entrümpelt waren. Es gab noch keine richtigen Bücher. Eltern kritisierten, ihre Kinder seien da wohl Versuchskaninchen. Doch was in den Abi-Prüfungen auf die Schüler zukommt, ist kalkulierbar. "Die Vorgaben sind relativ eng gefasst", sagt Johann Book, Leiter des Gymnasiums in Harsefeld.
Die Schulleiter stehen zum G8. "Es wäre fatal, wenn das noch einmal neu diskutiert werden würde", sagen sie mit Seitenblick auf Schleswig-Holstein, wo die Landesregierung gerade eine Kehrtwende macht. Man könne nicht immer wieder eine neue Sau durchs Dorf treiben, hält es der am 5. Juli aus dem Dienst scheidende Krusemark mit einem Ausspruch des ehemaligen Kultusministers Bernd Busemann.
Aber es ist ein Unterschied, ob ein junger Mensch mit 18 oder mit 17 Jahren das Abitur ablegt. Die Jüngeren, das beobachtet Book, sind eben im Reifegrad ein Jahr zurück. Die Schulen merken es beim Arbeitsverhalten, dem Grad der Selbstständigkeit, dem Abstraktionsvermögen. Es mangele an Verständnis für Geschichte und politische Strukturen, nennt Book als Beispiel. Jutta Neemann sieht, dass sie bei der Bearbeitung von Literatur nicht so tief dringen. Dennoch: Beim VLG wurden die Jahrgänge problemlos gemeinsam unterrichtet. "Und die Unterschiede waren eher individueller Natur." (je)


Große Säle fürs Feiern

Dem Stress folgen die Feiern. Auch da gibt es in diesem Jahr ganz neue Ausmaße. Athenaeum und VLG belegen für ihre Entlassfeiern das Stadeum (24. und 25. Juni), den Harsefeldern (24. Juni) reicht da noch das Forum. Gleich zwei Abibälle feiert das Athenaeum im Kirschenland Wisch, das VLG schwoft auf dem Pionierübungsplatz Grünendeich und die Harsefelder Abiturienten und ihre Gäste tanzen in der Kutenholzer Festhalle.

Stader Tageblatt vom 23.02.2011

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