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Schulleben - Andere über uns
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Verbeugung vor Opfern des Holocaust
Weitere "Stolpersteine" im Stadtgebiet verlegt |
JUTTA EIDTMANN STADE. Auf der Bremervörder Straße in Stade rauscht
der Verkehr vorbei, vor Hausnummer 31 steht eine 40-köpfige Gruppe und
singt das jüdische Lied "Wir wünschen Frieden euch allen". Der
Blick ruht auf den beiden Gedenksteinen im Bürgersteig. In diesem Moment
sind sie nicht vergessen: Therese und Adolf Heidemann, die den Zweiten Weltkrieg
nicht überlebten, weil sie Juden waren.
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Gudrun Ahlborn-Honemann ist Patin des Gedenkensteines für Therese Heidemann,
die nach ihrer Deportation 1941 in Riga erschossen wurde. Sie hat Noten verteilt,
eine weiße Rose und ein Foto der Eheleute auf die Steine gelegt. Sie
will, dass sie heute ein Gesicht bekommen, die beiden Opfer des Holocaust
in Deutschland. Neben ihr steht Veronika Kähler, Patin des Gedenksteins
an Adolf Heidemann. Die ehemalige Lehrerin und grüne Ratsfrau hat sich
ebenfalls für einen jüdischen Mitbürger entschieden. Es darf
kein Gras wachsen über Auschwitz hieß eine Fortbildung, die sie
vor vielen Jahren in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers
mitmachte. Jetzt will die 74-Jährige, die den "Stolperstein" finanzierte,
dafür sorgen, dass er blank bleibt und kein Gras über ihn
wächst.
Betty Uhlendorf wurde nur sechs Jahre alt. Schülerin Deepti Singh Malhotra
vom Vincent-Lübeck-Gymnasium ist sichtlich bewegt, als sie in der
Ostmarkstraße 11 einen kurzen Erinnerungstext an das behinderte
Mädchen vorliest, das erst in die Rotenburger Anstalten verlegt wurde
und dann in Lüneburg einen grausamen Euthanasietod starb.
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Gestern verlegter Gedenkstein in der Frommholdstraße 31.
Foto: Eidtmann
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Jeder Kurzzeremonie geht der Kniefall von Künstler Gunter Demnig voraus.
Wortlos, akkurat und präsent zementiert er die zwei Kilo schweren Steine
mit den aufgesetzten Messingplatten in die vorbereiteten Löcher. In
Stade sind es seit gestern 21 an 18 Orten. An die 28 000 sind es in zehn
Staaten. In Deutschland beteiligen sich 600 Kommunen.
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Für ihn sei es eine angemessene, würdige und sehr persönliche
Form des Gedenkens, sagt Bürgermeister Andreas Rieckhof. Er hatte zur
zweiten Stolperstein-Aktion eingeladen (die erste war im April 2010), führt
die Reiseschar an, neigt vor jedem frisch gesetzten Stein den Kopf und hält
kurz inne. Am Vormittag sind es Schüler des VLG, die die Zeremonie
begleiten, am Nachmittag Gymnasiasten des Athenaeums.
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Künstler Gunter Demnig verlegt seit 1997 Steinplatten, die in
Fußwegen an Opfer des Holocaust erinnern.
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"Gedenken ist eine Verbeugung in Demut - Stolpersteine in Stade - Die Menschen
und ihre Geschichte" heißt die Begleit-Broschüre, die im Stadtarchiv
Stade und allen Stader Buchhandlungen erhältlich ist. Autor Dr. Jürgen
Bohmbach hat sie verfasst. "Schluss wird nie sein", sagt er denen, die sagen
'Einmal muss doch Schluss sein', und: "Schluss darf auch nicht sein."
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Stader Tageblatt vom 22.02.2011
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